Archiv der Kategorie 'Reviews'

Punch – Push Pull

Eine der beeindruckensten Bands beim diesjährigen Fluff Fest waren definitiv Punch. Brutales Powerviolence-Geschrote, unterstützt von einer energetischen Show, obwohl Sängerin Meghan mit gebrochenem Knöchel aufgetreten ist. Und das zweite Album des Quintetts transportiert diese Energie und Brutalität 1:1 in die heimische Wohnung. Massig Blastbeats, knallharte Midtempopassagen und vor allem fiese Breakdowns, die immer zum genau richtigen Zeitpunkt auftauchen.
Das ist eigentlich schon alles, aber halt fantastisch dargeboten. Punch sind richtige gute Songwriter und schaffen es perfekt, die Lieder auf den Punkt zu bringen, da harmoniert halt alles und kein Part wirkt unpassend oder aufgesetzt. Absolut großartig natürlich auch Meghan, die mit ihrer krass-kreischigen Stimme, die das Mitlesen der Texte unmöglich macht, nochmal ordentlich Härte und Fiesheit dem Sound der Gruppe hinzufügt. „Push Pull“ macht richtiggehend süchtig und zwingt die Hörer_innen fast schon zum wiederholten Anhören. Ohne Zweifel eins der besten Alben dieses Jahres und Pflicht für alle, die auf brutale, schnörkellose Musik stehen!

Union Of Sleep – Death In The Place Of Rebirth

Auf Union Of Sleep bin ich eigentlich nur gestoßen, weil sie auf der Abschiedsshow von The Now-Denial mitgespielt haben (Review hier). Da der Auftritt ziemlich beeindruckend war, habe ich gleich mal das neue Album mitgenommen. Und die Hagener können das Niveau ihrer Liveshow auch auf Platte halten. Ein Mix aus etwas Doom, viel Sludge und noch mehr Hardcore, schön direkt und vor allem heavy. Es ist unfassbar, mit welcher Wucht Songs wie ‚Turn You Cross‘, der Ohrwurm ‚Hammer, Coffin, Nails‘ oder das Ende von ‚A Rush Of Piss To The Head‘ über die Hörer_innen hinweg walzen. Da auch der Rest der Tracks keinen Deut schlechter ist, sollte „Death In The Place Of Rebirth“allen gefallen, die gerne Bands wie 16 oder Crowbar hören oder halt auf brutale, schleppende Musik stehen. Und natürlich live anschauen, wenn sie in euer Nähe sind!

Vestiges – The Descent Of Man

Ich bin nur durch Zufall über diese Band gestolpert, aber wurde sofort von ihrem Debütalbum überwältigt. Mensch stelle sich eine Mischung aus Fall Of Efrafa, spanischen Düstercrust a là Madame Germen oder Ekkaia vor und adddiere dazu dann noch eine gute Dosis Black Metal. All das ergibt einen homogenen Mix, bei dem es wirklich völlig egal ist, ob es gerade zerbrechlich-ruhig zugeht, der D-Beat regiert, schleppende Passagen durch die Anlage walzen oder blackmetallische Blastbeats für ordentlich Aggression sorgen, „The Descent Of Man“ klingt immer absolut großartig. Zumal der Spannungsaufbau und die dann folgenden Ausbrüche mehr als einmal an die Großtaten von Fall Of Efrafa erinnern und die Hörer_innen genauso mitreißen.
Dazu kommt noch ein interessantes Textkonzept über die Kreierung, Evolution und eventuelle Zerstörung der Menschheit. „The Descent Of Man“ ist also ein in jeder Hinsicht absolut großartiges Album, umso unverständlicher ist es, dass es bisher keinen Vertrieb gibt. Aber umso besser für alle Interessierten, denn dieses wahnsinnig gute Album könnt ihr hier umsonst runterladen. Von Vestiges werden wir in Zukunft noch viel hören, da bin ich mir sicher.

Atlantean Kodex – The Golden Bough

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich kaum noch klassischen Metal höre. In den letzten Jahren hat sich mein Geschmack einfach zu sehr gewandelt, dazu kommt das alte Zeit- und Geldproblem. Aber auch so habe ich natürlich mitbekommen, wie sehr Atlantean Kodex im Underground gefeiert worden sind. Und beim Hören des Debütalbums kann mensch auch feststellen: durchaus zu recht. Einflüsse sind sicherlich klassischer Doom wie Candlemass oder Solstice (UK), aber auch späte Bathory oder auch Manowar (die Epik-, nicht die Kaspervariante). Das alles verschmilzt zu einem Mix, der bei den ersten beiden Songs so richtig zündet. ‚Fountain Of Nepenthe‘ und ‚Pilgrim‘ sind grandiose Epic-Metal-Perlen, die Stimmung, die Riffs, die Melodien, da passt einfach alles.

Leider fällt das Niveau danach leicht ab. Der uninspiriert wirkende Schlussteil von ‚Temple Of Katholick Magick‘, die unpassenden, schnellen Parts bei ‚Disciples Of The Iron Crown‘ oder die komisch wirkenden Songzeile „Behold the urkraft“ im Namensgeberlied ‚Atlantean Kodex‘ können halt nicht wirklich überzeugen. Klar, das sind alles eher Kleinigkeiten, aber sie nehmen der Platte doch etwas von ihrer am Anfang ausgestrahlten Großartigkeit. Dafür markiert der fünzehnminütige Abschlusstrack ‚A Prophet In The Forest‘ das Ende eines schönen Albums.

Und auch wenn viele Fans das ander sehen und Atlantean Kodex bedingungslos abfeiern, muss ich sagen, dass „The Golden Bough“ nur teilweise grandios, ingesamt aber ein gutes bis sehr gutes Werk ist. Werd ich mir bestimmt irgendwann noch zulegen…

Rawside – Widerstand

„Ein Volk sollte keine Angst vor seiner Regierung haben, eine Regierung sollte Angst vor ihrem Volk haben“ – mit diesen Worten beginnt das neue Rawside-Album. Lange hat es gedauert, bis „Widerstand“ erschienen ist. Und es ist auch vieles da, was mensch an den Coburgern kennt und schätzt. Musikalisch ein gradliniger Mix aus Hardcore und Punk, dabei verdammt aggressiv klingend. Textlich gibt es wieder deutsche und englische Texte, die weiterhin linksradikal und provokativ formuliert sind. Also genauso wie Rawside sind bzw. sein sollen. Spielerisch und vom Abwechslungsreichtum ist „Widerstand“ das beste Album der Bayern.
Das geht aber keinesfalls zu Lasten der Durchschlagskraft oder dem Ohrwurmfaktor. Der Titelsong, ‚Face To Face‘, ‚Kettenreaktion‘ und das grandiose ‚Was ist Zu Tun?‘ (wohl einer der besten Songs der Band) zeigen das ganz deutlich. Dazu gibt es dann noch zwei schöne Coverversionen. Zum einen die herrlich kaputte Version von ‚I Shot The Sheriff‘, zum anderen ‚Killer‘ von Vorkriegsjugend. Da auch das Coverartwork großartig ist, bleibt nur festzuhalten, dass Rawside auch heutzutage in Sachen politisch wütender Hardcore-Punk ganz weit vorne dabei sind. Pflichtkauf!