Archiv der Kategorie 'Heavy Metal'

Wacken=Ballermann

Oho, ein provokanter Titel. was wird also folgen? Eine Abrechnung eines verbitterten Wacken-Besuchers mit der gnadenlosen Marketingmaschinerie Wacken Open Air? Mitnichten. Ich selber fahre seit 2007 nicht mehr nach Wacken, insofern ist es mir tatsächlich relativ egal, was sich die Wacken-Crew so alles jedes Jahr einfallen lässt. Auch Verbitterung kann ich bei mir nicht feststellen. Es ist nunmal so, dass das Feeling Ende der Neunziger/Anfang 2000er nicht mehr da ist, das wird auch kein endloses Schimpfen und Schwelgen in der Vergangenheit zurück bringen. Manchmal muss mensch sich damit abfinden, dass Dinge sich ändern.
Nein, was mich aufregt und vor allem teilweise ankotzt, ist der Film „Metaller, die auf Brüste starren“. Schon der Titel ist respektlose, patriarchale, sexistische Scheiße. Die witzig gemeinte Persiflage bedeutet nichts anderes als die Legitimierung und Gutheißung einer zutiefst herabwürdigenden Handlung gegenüber Frauen. Kein Wunder also, dass zwei Männer den Fim gemacht haben.1
Aber worum geht es denn nun? Kurz zusammengefasst: fünf Männer(….) in den Dreißigern, mit einem völlig „normalen“ Leben (wird nicht weiter ausgeführt, bedeutet aber wohl den üblichen Job-Familie-Haus etc.-Kram) fahren einmal im jahr nach Wacken, um mal ordentlich einen drauf zu machen. Die Filmemacher fangen also all das ein, was so in Wacken passiert. Und natürlich wird damit geprahlt, dass „Grenzen des sogenannten guten Geschmacks“ konsequent ignoriert werden. 2
Im Trailer wird dann gezeigt: feiernde Metaller vor der Bühne, unterschiedliche Besucher_innen (der Schwenk auf die Brüste einer Frau darf dabei, ganz dem Sexismus des Titels verpflichtet, nicht fehlen), von saufend über lustig bis fertig, Szenen aus dem Schwimmbad und einen Typen, der in die Kamera folgenden Satz sprechen darf: „An alle Frauen der Welt: fickt mit mir“.3
Als erstes fällt dabei natürlich auf, dass die Macher wohl jeglichen Respekt für Frauen für ihren Film über Bord geworfen haben. Als ob es nicht schon schlimm genug ist, dass auf großen Festivals es gang und gäbe zu sein scheint, Frauen zu belästigen, sei es verbal oder körperlich und ihren Grenzen regelmäßig zu verletzten, der Film feiert das auch noch und stellt es als etwas cooles dar. Reflektion des eigenen oder fremden Verhaltens? Fehlanzeige. Und das hat dann nichts mehr mit einem eigenständigen oder gar rebellischen Habitus zu tun, damit wird nur der patriarchale Normalzustand der Gesellschaft reproduziert. Ein Kongress wie „Metal und Gender“ wirkt dabei dann tatsächlich wie aus einem Paralleluniversum.
Und das ist auch ein gutes Stichwort, um zu dem überzuleiten, was neben dem schon angesprochenen Kritikpunkt eigentlich der Hauptgrund ist, um diesen Film gar nicht erst zu sehen. Die Stilisierung des gezeigten Verhaltens zu einem Alleinstellungsmerkmal, zu einem tiefen Einblick in die Metalszene und das Verhalten der Metalfans. Fünf Leute, die einmal im Jahr odentlich feiern, dabei tierisch saufen und Blödsinn veranstalten und danach in ihre „normale“ Existenz zurückkehren, soll ein Alleinstellungsmerkmal sein? In ein Paralleluniversum entführen? Sorry, aber das gibt es, bis auf Kleinigkeiten (anstatt zu Schlagern mitzugröhlen wird hier halt zu Death Metal mitgegrunzt) so auch am Ballermann, beim Spring Break oder wo sonst massenhaft Leute zusammen kommen, um zu feiern. Und selbst wenn jetzt der Einwand kommt, dass „die ja alle so böse aussehen“, so wird das gerade durch die Wackener Wirklichkeit entkräftet. Die Dorfbevölkerung hat das Festival voll und ganz akzeptiert und feiert mit, die Polizei lobt jedes Jahr die friedlichen Festivalbesucher_innen und auch der Zoll findet kaum nennenswerte Mengen Drogen.
Der Film leistet also gerade nicht das, was er leisten will, sondern bewegt sich vom Anspruch her auf dem Niveau von RTL2-Reportagen, Hauptsache möglichst laut, grell und gerne auch tabulos. Metal und das Wacken Open Air wird als purer Hedonismus ohne Inhalte wahrgenommen, einzig Outfit und bestimmte genretypische Verhaltensweisen gelten noch als Unterscheidungsmerkmal.
Wer aber nunmal Metal nur als Musik zum Party machen begreift und Wacken als Ort, um endlich mal, befreit vom alltäglichen Trott, richtig schön asozial (natürlich betrunken, etwas anderes scheint nicht zu gehen) zu verhalten, der sollte sich dann bitte nicht darauf berufen, irgendwie anders, gegen die Gesellschaft, rebellisch oder gar einzigartig zu sein. All das gibt es nämlich auch z.B. am oben erwähnten Ballermann. Schade nur, dass ein Teil der Metalszene sich es in diesem Bewusstsein gemütlich gemacht hat und damit nicht nur einem dumpfen Klischee scheinbar gerne entspricht, sondern auch Metal weiter in die gesellschaftliche Konformität führt.

Insofern ist „Metaller, die auf Brüste starren“ der perfekte Film für all diejenigen, die gerne saufenden Menschen beim Quatsch machen zuschauen, ihrem Sexismus frönen oder diejenigen, die sich bestätigen lassen wollen, wie harmlos diese Metalfans doch so sind. Alle anderen, die noch klar denken können und wollen und für die Heavy Metal mehr als der Soundtrack zum Besäufnis ist, sollten von diesem sexistischen Schund Abstand halten.

  1. http://okbo.de/die-macher/ [zurück]
  2. http://okbo.de/filminfo/ [zurück]
  3. http://www.kino-zeit.de/filme/trailer/metaller-die-auf-bruste-starren [zurück]

Ein Lebenszeichen

Jaja, viel zu lange herrschte hier Stille, aber mannigfaltige Aufgaben, nervige Lohnarbeit, die Uni etc. fraßen die Zeit auf. Deshalb erstmal ein bißchen Gemischtes, bevor dann die nächsten Tage Artikel zu Toyota/Scion vs. From Ashes Rise, zur Wacken-Doku „Metaller, die auf Brüste starren“, eine längst fällige Abrechnung mit dem widerlichen Sexismus im (Brutal) Death Metal und schlussendlich zwei Artikel zu Drudkh und Wolves In The Throne Room.

Als erstes ein Lesehinweis. In der taz ist ein Interview mit dem Musikwissenschaftler Dieter Elflein erschienen, in dem über Heavy Metal aus musikwissenschaftlicher Sicht gesprochen wird. Definitiv ein interessanter Ansatz.

Des weiteren ein Beitrag über Black Metal und antimoderne Züge. Das Bild ist zwar ziemlich daneben, der Ansatz des Artikels aber sicher diskussionswürdig. Hier könnt ihr ihn finden.

Was fehlt noch? Natürlich Musik:

My Terror, Antifaschistischer Hardcore

Amenra, psychotische Doom-/Sludge-Walze

R.I.P.!

Und wieder einmal sind zwei Musiker gestorben, deren Musik nicht nur mir viel bedeutet hat. In diesem Sinne ist dieser Eintrag mein Tribut an die beiden.

Zum einen an Henrik Fryman, Bassist bei Disfear. Die Schweden sind wohl das seltene Beispiel dafür, dass ein Stilwechsel nicht unbedingt schlecht sein muss. Gestartet als wütendes D-Beat-/Crust-Massaker, entwickelte sich der Sound nach dem Einstieg von Tomppa (Skitsystem, At The Gates, The Great Deceiver) zu einem dreckigen Gemisch aus viel Crust, viel Rock‘n'Roll und ein kleines bißchen Metal. Henrik war als Urgestein von Anfang an dabei. Er verlor Ende März den Kampf gegen den Krebs. Hier ein Livevideo vom Obscene Extreme und dazu noch das völlig großartige ‚Powerload‘. R.I.P. Henrik!

Jetzt zu einem völlig konträren Musiker: Scott Columbus, ehemals Schlagzeuger bei Manowar. Und ja, auch ich empfinde Manowar mittlerweile als Karikatur ihrer selbst, musikalisch nur noch ein Schatten früherer Tage und vom Auftreten her völlig peinlich. Trotzdem hat die Band mehrere großartige Alben veröffentlicht, unter anderem „Hail To England“ mit eben jenem Scott Columbus am Schlagzeug. Am Dienstag ist Scott nun gestorben. Hier jetzt ein Livevideo von ‚Blood Of My Enemies‘, Opener des eben schon erwähnten Albums. R.I.P. Scott!

Supporting the war: Accept

Unterstützung für den sogenannten „war on terror“ fand sich bisher vor allem in den Vereinigten Staaten, wo zig Bands entweder durch direkte Unterstützung der Truppen in Form von Auftritten oder durch textliche Peinlichkeiten. Die deutsche Heavy-Metal-Band Accept, die sich dieses Jahr ohne ihren Sänger Udo Dirkschneider refomiert hat, formuliert auf dem Titeltrack des Reunionalbums „Blood Of The Nations“aber so üble Kriegspropaganda, dass mensch nur schlecht werden kann. (Text hier, Auszüge sind in Anführungszeichen gesetzt).
Der Text ist aus der Wir-Perspektive verfasst, identfiziert sich also mit den Soldaten, die kämpfen. Blut klebt an den Händen der anderen, die den Krieg erst gestartet haben. Die Soldaten werden bis ins Äußerste glorifiziert (It’s a noble cause“), am Ende sind sie bereit, mit ihrem Leben zu bezahlen. Und wofür? Auch da wird die ganze ekelerrregende Propaganda ausgebreitet. Es geht um die Freiheit, die ihren Preis hat, um die Zukunft der Nationen, die Sicherung des Lebensstils, ja für Träume und Ideale, die Freiheit der Massen, der Erhalt von Frieden und Sicherheit usw., dafür lohnt es sich zu kämpfen (all that’s worth fighting for“) und wie schon gesagt, mit dem eigenen Leben zu bezahlen. Dabei fühlt mensch sich selber im Recht („and stand up for what is right“) und will sich für die Ermordeten rächen („to avenge our brothers murders), ja, der Krieg wird sogar als Treibstoff für das Feuer der Freiheit gesehen („the fuel of freedoms‘ fire“) und natürlich muss das nicht nur so sein („that’s the way it has to be“), es wird auch bis zum Ende durchgezogen („we fight to the end“).
Nicht nur, dass das Dasein des Soldaten total überhöht wird, indem sein Tun (Menschen töten) eine moralische Legitimation verpasst bekommt, es werden fast apokalyptische Untergangsszenarien an die Wand gemalt und die Schuld eindeutig zugewiesen, die haben nämlich nur die anderen. Das sind auch nicht die Massen, die möchte mensch ja befreien, sondern nur eine Minderheit. Durch die Wir-Perspektive findet dabei nicht nur eine Identfizierung mit den Soldaten statt, der Hörer soll daran erinnert werden, dass es auch um ihn selber geht, um seine Freiheit, Sicherheit, Träume, Ideale, etc.. In diesem Text sind aber nicht nur die üblichen Rechtfertigungen für den Krieg vorhanden, durch seine simple Schwarz-Weiß-Sicht, das Konstruieren unvereinbarer Gegensätze und dem Anspruch, genau wissen zu wollen, was die Massen brauchen, lassen sich auch kulturalistische Tendenzen im Text finden sowie die Abwertung ganzer Gruppen von Betroffenen (zu unschuldig getöteten Unbeteiligten findet sich im Text gar nichts).
Accept vermischen also dumpfe Kriegspropaganda mit Glorifizierung des Soldatentums, blenden zivile/unbeteiligte Opfer ebenso aus wie die differenzierten Gesellschaftsstrukturen in den Kriegsgebieten, zeichnen simple Freund-Freind-Schemata mit kulturalistischen Anklängen und zeichen ein Idealbild, das mit der Wirklichkeit im Irak oder Afghanistan genau nichts zu tun hat. Gefällt Kriegsminister zu Guttenberg bestimmt super. Mir kommt bei sowas jedenfalls das Kotzen. Das hat auch nichts mehr mit Rebellion oder anti-autoritärer Haltung zu tun, sondern ist reaktionärer Scheißdreck. Und genau dagegen hatte sich Heavy Metal einstmals aufgelehnt. Nur haben das wohl weder Accept noch die ganzen Fans, die das Album gekauft haben, auch nur im Ansatz kapiert.

Raise The Metal Fist! (1)

Früher hab ich viel Power, True oder klassischen Heavy Metal oder wie mensch es sonst nennen möchte gehört. Mittlerweile höre ich sowas kaum noch (gut, ein oder zweimal im Jahr überkommt es mich und ich kaufe eine CD oder Platte aus der Richtung), aber als Experiment bzw. Erinnerung an alte Zeiten habe ich beschlossen, mich die letzte Zeit mal wieder durch so einige Alben zu hören und die dann zu kommentieren, alles eher kurz gehalten.

Exciter – The Dark Command
Den Anfang machen die kanadischen Speed Metaller Exciter. „The Dark Command“ war nach drei sehr guten und zwei miesen Alben in den Achtzigern und einem Aufflackern Anfang der Neunziger der Startschuss zur Reunion, ohne Orginaldrummer und -sänger Dan Beehler. Und das ist auch heute noch gut. Massig Doublebass, ein Mix aus Speed und Midtempo (‚Ritual Death‘!), ein angenehm roher Sound und Jacques Belanger hat zwar viel Rob Halford gehört, passt aber mit seiner Stimme perfekt zu Exciter. Zwar ist nciht jeder Song für die Ewigkeit, trotzdem ein schönes Album.
Status: durchgehört

Pegazus – Breaking The Chains
Pegazus kamen im Laufe der klassischen Metalwelle Ende der Neunziger nach oben. Die Australier setzten auf klassiches Metaloutfit (Leder und Leder), klassische Songstrukturen und klassische Themen (Metal, Fantasy und sowas). Teilweise verdammt platt (‚Metal Forever‘), teilweise arg vorhersehbar (‚The Crusade‘). Sowas ist einfach nur mittelmäßige Ausschussware, die wirklich niemand braucht.
Status: nach zwei Songs ausgemacht

Wolf – Black Wings
Vier Schweden haben ganz schön viel Iron Maiden gehört, dabei auchdie Frühphase fest im Blick und machen jetzt selber Musik, so kann mensch Wolf kurz zusammen fassen. Und das ist dank der Energie und den schönen Melodien cool anzuhören, hat aber halt ein ganz großes Manko: die Originale werden halt zu keiner Sekunde erreicht. Für zwischendrin aber absolut in Ordnung.
Status: nach sechs Songs ausgemacht

Cage – Darker Than Black
Musikalisch druckvoller Power Metal aus den USA, textlich und persönlich üble Rednecks, die natürlich auch brave Christen sind und das in typischer Metalbildsprache auch umsetzen. Für die JU/CDU-Fraktion der Szene bestimmt total toll, ich finds derbe unsympathisch. Und nach drei, vier Liedern stellt sich Langeweile ein. „Darker Than Black“ ist zwar druckvoll, besitzt ordentlich Riffpower und gute Melodien, das wirkt aber alles recht blutleer, undynamisch und krampfhaft auf möglichst heavy getrimmt.
Status: nach vier Songs ausgemacht

Doomsword – Let Battle Commence
Machen wir es kurz: Die textliche Story über heldenhafte Dänen, die die christliche Stadt York plündern, ist 08/15-Heidengewäsch, zum Glück jedweder Nazianklänge unverdächtig. Dafür ist der Doom Metal der Italiener, der einen ordentliche Dosis Epik abbekommen hat, auch heutzutage noch toll. Die Melodien sind großartig, die „ahhhhh“-Chöre fügen sich perfekt ein und der Spannungsaufbau der Lieder lässt keine Langeweile aufkommen. Fand und finde ich immer noch gut und höre ich mir selten, aber regelmäßig immer wieder an.
Status: durchgehört

So, das wars erstmal, die 1 deutet es ja schon an, vielleicht gibt es bald eine Fortsetzung, Material ist jedenfalls noch genug da.