Archiv der Kategorie 'Ein Kessel Buntes'

Zwei Lesetipps: Frei.Wild und Hauptkampflinie

Bevor in den nächsten Tagen hoffentlich der längst überfällige Artikel zu Drudkh und der abenteuerlichen Argumentation des Metal-Mainstreams erscheint, hier mal zwei Lesetipps.

Zum einen ein Artikel zu Frei.Wild in der Süddeutschen Zeitung. Dort wird zum einen deutlich, dass die Südtiroler trotz allen Distanzierungen mit extrem rechten Einstellungen und Fans keinerlei Probleme und zum anderen, dass sie es schon längst in den Mainstream geschafft haben. Nur ein Beleg dafür ist die Übernahme der Promotiontätigkeiten durch Sure Shot Worx, geleitet vom RockHard-Mitarbeiter Wolf-Rüdiger Mühlmann, der sich im Rock Hard gerne als „Antifaschist“ geriert und gegen NSBM Stellung bezieht, mit dem Promoten von nationalistisch-rassistischen Bands wie eben Frei.Wild oder Winterfylleth aber keine Probleme hat.

Zum anderen ein Artikel von Andreas Speit in der taz zum Ausstieg des Sängers von Hauptkampflinie, zeitweilig eine der aktivsten Bands der Rechtsrockszene. Bietet auch einen kurzen, aber recht guten Überblick über die Rechtsrockszene und deren Umfang. Inwieweit der Ausstieg jetzt endgültig ist, vermag ich nicht zu beurteilen, vertraue da aber mal auf Andreas Speit und dessen unbestrittene Sachkenntnis.

Wacken=Ballermann

Oho, ein provokanter Titel. was wird also folgen? Eine Abrechnung eines verbitterten Wacken-Besuchers mit der gnadenlosen Marketingmaschinerie Wacken Open Air? Mitnichten. Ich selber fahre seit 2007 nicht mehr nach Wacken, insofern ist es mir tatsächlich relativ egal, was sich die Wacken-Crew so alles jedes Jahr einfallen lässt. Auch Verbitterung kann ich bei mir nicht feststellen. Es ist nunmal so, dass das Feeling Ende der Neunziger/Anfang 2000er nicht mehr da ist, das wird auch kein endloses Schimpfen und Schwelgen in der Vergangenheit zurück bringen. Manchmal muss mensch sich damit abfinden, dass Dinge sich ändern.
Nein, was mich aufregt und vor allem teilweise ankotzt, ist der Film „Metaller, die auf Brüste starren“. Schon der Titel ist respektlose, patriarchale, sexistische Scheiße. Die witzig gemeinte Persiflage bedeutet nichts anderes als die Legitimierung und Gutheißung einer zutiefst herabwürdigenden Handlung gegenüber Frauen. Kein Wunder also, dass zwei Männer den Fim gemacht haben.1
Aber worum geht es denn nun? Kurz zusammengefasst: fünf Männer(….) in den Dreißigern, mit einem völlig „normalen“ Leben (wird nicht weiter ausgeführt, bedeutet aber wohl den üblichen Job-Familie-Haus etc.-Kram) fahren einmal im jahr nach Wacken, um mal ordentlich einen drauf zu machen. Die Filmemacher fangen also all das ein, was so in Wacken passiert. Und natürlich wird damit geprahlt, dass „Grenzen des sogenannten guten Geschmacks“ konsequent ignoriert werden. 2
Im Trailer wird dann gezeigt: feiernde Metaller vor der Bühne, unterschiedliche Besucher_innen (der Schwenk auf die Brüste einer Frau darf dabei, ganz dem Sexismus des Titels verpflichtet, nicht fehlen), von saufend über lustig bis fertig, Szenen aus dem Schwimmbad und einen Typen, der in die Kamera folgenden Satz sprechen darf: „An alle Frauen der Welt: fickt mit mir“.3
Als erstes fällt dabei natürlich auf, dass die Macher wohl jeglichen Respekt für Frauen für ihren Film über Bord geworfen haben. Als ob es nicht schon schlimm genug ist, dass auf großen Festivals es gang und gäbe zu sein scheint, Frauen zu belästigen, sei es verbal oder körperlich und ihren Grenzen regelmäßig zu verletzten, der Film feiert das auch noch und stellt es als etwas cooles dar. Reflektion des eigenen oder fremden Verhaltens? Fehlanzeige. Und das hat dann nichts mehr mit einem eigenständigen oder gar rebellischen Habitus zu tun, damit wird nur der patriarchale Normalzustand der Gesellschaft reproduziert. Ein Kongress wie „Metal und Gender“ wirkt dabei dann tatsächlich wie aus einem Paralleluniversum.
Und das ist auch ein gutes Stichwort, um zu dem überzuleiten, was neben dem schon angesprochenen Kritikpunkt eigentlich der Hauptgrund ist, um diesen Film gar nicht erst zu sehen. Die Stilisierung des gezeigten Verhaltens zu einem Alleinstellungsmerkmal, zu einem tiefen Einblick in die Metalszene und das Verhalten der Metalfans. Fünf Leute, die einmal im Jahr odentlich feiern, dabei tierisch saufen und Blödsinn veranstalten und danach in ihre „normale“ Existenz zurückkehren, soll ein Alleinstellungsmerkmal sein? In ein Paralleluniversum entführen? Sorry, aber das gibt es, bis auf Kleinigkeiten (anstatt zu Schlagern mitzugröhlen wird hier halt zu Death Metal mitgegrunzt) so auch am Ballermann, beim Spring Break oder wo sonst massenhaft Leute zusammen kommen, um zu feiern. Und selbst wenn jetzt der Einwand kommt, dass „die ja alle so böse aussehen“, so wird das gerade durch die Wackener Wirklichkeit entkräftet. Die Dorfbevölkerung hat das Festival voll und ganz akzeptiert und feiert mit, die Polizei lobt jedes Jahr die friedlichen Festivalbesucher_innen und auch der Zoll findet kaum nennenswerte Mengen Drogen.
Der Film leistet also gerade nicht das, was er leisten will, sondern bewegt sich vom Anspruch her auf dem Niveau von RTL2-Reportagen, Hauptsache möglichst laut, grell und gerne auch tabulos. Metal und das Wacken Open Air wird als purer Hedonismus ohne Inhalte wahrgenommen, einzig Outfit und bestimmte genretypische Verhaltensweisen gelten noch als Unterscheidungsmerkmal.
Wer aber nunmal Metal nur als Musik zum Party machen begreift und Wacken als Ort, um endlich mal, befreit vom alltäglichen Trott, richtig schön asozial (natürlich betrunken, etwas anderes scheint nicht zu gehen) zu verhalten, der sollte sich dann bitte nicht darauf berufen, irgendwie anders, gegen die Gesellschaft, rebellisch oder gar einzigartig zu sein. All das gibt es nämlich auch z.B. am oben erwähnten Ballermann. Schade nur, dass ein Teil der Metalszene sich es in diesem Bewusstsein gemütlich gemacht hat und damit nicht nur einem dumpfen Klischee scheinbar gerne entspricht, sondern auch Metal weiter in die gesellschaftliche Konformität führt.

Insofern ist „Metaller, die auf Brüste starren“ der perfekte Film für all diejenigen, die gerne saufenden Menschen beim Quatsch machen zuschauen, ihrem Sexismus frönen oder diejenigen, die sich bestätigen lassen wollen, wie harmlos diese Metalfans doch so sind. Alle anderen, die noch klar denken können und wollen und für die Heavy Metal mehr als der Soundtrack zum Besäufnis ist, sollten von diesem sexistischen Schund Abstand halten.

  1. http://okbo.de/die-macher/ [zurück]
  2. http://okbo.de/filminfo/ [zurück]
  3. http://www.kino-zeit.de/filme/trailer/metaller-die-auf-bruste-starren [zurück]

Ein Lebenszeichen

Jaja, viel zu lange herrschte hier Stille, aber mannigfaltige Aufgaben, nervige Lohnarbeit, die Uni etc. fraßen die Zeit auf. Deshalb erstmal ein bißchen Gemischtes, bevor dann die nächsten Tage Artikel zu Toyota/Scion vs. From Ashes Rise, zur Wacken-Doku „Metaller, die auf Brüste starren“, eine längst fällige Abrechnung mit dem widerlichen Sexismus im (Brutal) Death Metal und schlussendlich zwei Artikel zu Drudkh und Wolves In The Throne Room.

Als erstes ein Lesehinweis. In der taz ist ein Interview mit dem Musikwissenschaftler Dieter Elflein erschienen, in dem über Heavy Metal aus musikwissenschaftlicher Sicht gesprochen wird. Definitiv ein interessanter Ansatz.

Des weiteren ein Beitrag über Black Metal und antimoderne Züge. Das Bild ist zwar ziemlich daneben, der Ansatz des Artikels aber sicher diskussionswürdig. Hier könnt ihr ihn finden.

Was fehlt noch? Natürlich Musik:

My Terror, Antifaschistischer Hardcore

Amenra, psychotische Doom-/Sludge-Walze

Gegen Sexismus und Heteronormativität! 100 Jahre internationaler Frauentag!

Heute ist, wie es ja wohl alle wissen sollten, internationaler Frauentag. Geprägt wurde der Tag von Clara Zetkin, mittlerweile wird der Tag seit 100 Jahren begangen. Neben dem typischen Sexismus des Boulevards gibt es auch zwei sehr gute Beiträge zu diesem Tag:

Ein Blog zum Frauenkampftag 2011 mit Portraits von zehn berühmten Frauen.

Bei der Mädchenmannschaft gibt es unzählig viele gesammelte Beiträge zu diesem Tag.

Musikalisch sei an diesem Tag auf den Vortrag von Martin Büsser(R.I.P.) „Geschlechterverhältnisse im Punk/Hardcore“ hin gewiesen, anzuhören bei der AG Queer Studies. Auch heute sind in den Subkulturen wie Punk, Hardcore und Metal immer noch Sexismen zu finden und werden auch heute noch reproduziert, werden Mädchen und Frauen, die sich in diesen Szenen bewegen und daran teilnehmen, abgewertet, belächelt und nicht ernst genommen. Auch bei Kritik an weiblichen Musikerinnen wird oft auf sexistische Vorstellungen zurückgegriffen, auch wenn die Kritiker das oftmals empört zurück weisen. Auch in linken, emanzipatorischen Zusammenhängen ist Sexismus ein heiß diskutiertes Thema, bei dem Anspruch und Realität, vor allem dann, wenn z.B. eine Vergewaltigung vorliegt, stark auseinander klaffen.
Insofern also eine kleine, vollkommen unvollständige Würdigung von Frauen in diesen Subkulturen, die sich davon nicht beeindrucken lassen bzw. ließen.

Bikini Kill

Arch Enemy (in den Kommentaren wimmelts leider nur so für sexistischer Kackscheisse)

Walls Of Jericho (die Kommentare sind hier ähnlich beschissen)

Shades Of Grey

R.I.P. Mieszko!

Eigentlich wollte ich erst etwas anderes schreiben, aber als 50. beitrag dieses Blogs sollte dann doch mal Tribut gezollt werden. Auch wenn sein Todestag schon etwas her ist (26.1.2), so kann gar nicht oft genug an Mieszko Talarczyk und Nasum erinnert werden. Nasum waren wohl ohne Zweifel die prägende Grindband der Neunziger und auch Anfang der 2000er Jahre, selbst Napalm Death wurden ja massiv von den Schweden beeinflusst. Neben der musikalischen Vorreiterrolle waren Nasum textlich auch frei von Gorezeugs oder gar irgendwelchem Porngrinddreck, stattdessen standen sozialkritische und politische Themen im Vordergrund. Es ist verdammt schade, dass Mieszko, der nicht nur ein fähiger Musiker, sondern auch ein sehr guter Produzent war, nicht mehr unter uns weilt und Nasum Geschichte sind.
Als Andenken drei Videos, zum einen das einzige offizielle Nasum-Video, zum anderen zwei Tracks von Bands, die Mieszko produziert hat. Enjoy!