Archiv der Kategorie 'Dooooooooom'

Ein Lebenszeichen

Jaja, viel zu lange herrschte hier Stille, aber mannigfaltige Aufgaben, nervige Lohnarbeit, die Uni etc. fraßen die Zeit auf. Deshalb erstmal ein bißchen Gemischtes, bevor dann die nächsten Tage Artikel zu Toyota/Scion vs. From Ashes Rise, zur Wacken-Doku „Metaller, die auf Brüste starren“, eine längst fällige Abrechnung mit dem widerlichen Sexismus im (Brutal) Death Metal und schlussendlich zwei Artikel zu Drudkh und Wolves In The Throne Room.

Als erstes ein Lesehinweis. In der taz ist ein Interview mit dem Musikwissenschaftler Dieter Elflein erschienen, in dem über Heavy Metal aus musikwissenschaftlicher Sicht gesprochen wird. Definitiv ein interessanter Ansatz.

Des weiteren ein Beitrag über Black Metal und antimoderne Züge. Das Bild ist zwar ziemlich daneben, der Ansatz des Artikels aber sicher diskussionswürdig. Hier könnt ihr ihn finden.

Was fehlt noch? Natürlich Musik:

My Terror, Antifaschistischer Hardcore

Amenra, psychotische Doom-/Sludge-Walze

dc-Konzerte (3): Pyramido*

Datum: 16.12.2010
Band: Pyramido
Zahlende Besucher: 13

Nachdem es im Juni aufgrund von Krankheit nicht geklappt hatte, schaffen es die symapthischen Schweden-Doomer von Pyramido dieses Mal, trotz mieser Witterung, in die altehrwürdige Meierei. Die Besucherzahlen lassen zwar mal wieder zu Wünschen übrig, aber das sind wir ja schon gewohnt. (Zumal ja zeitgleich Doro mit ihrem Steinzeit-Metal und den ewig gleichen Lederklamotten im Max zu Gange ist.) Das Publikum ist jedenfalls hellauf begeistert, soviel sei schon mal vorweg genommen.
Um halb elf geht es dann auch los und das verdammt gut. Ausgehend von einem dreckigen Mix aus Doom und Sludge baut das Sextett (ja, richtig, neben dem üblichen Kram gibt es auch elektronischen Schnickschnack) eine ordentliche wall of sound auf, in der sich auch Querverweise gen Dystopia oder gar St.Vitus finden lassen. Daneben wird nicht nur nahe des Stillstands agiert, sondern zwischendrin auch immer wieder das Tempo angezogen, was für die nötige Abwechslung sorgt. Der Applaus ist dementsprechend gut und vor der Bühne lassen ein paar Menschen sogar ordentlich die Haare fliegen. Kein Wunder also, dass auch eine Zugabe her muss, bevor dann erstaunlich früh (so 45-50 Minuten Spielzeit, für Doomer quasi nichts) Schluss ist. Trotzdem ein sehr schöner Auftritt, findet auch das Publikum, dass sich auch erstaunlich hartnäckig erweist, als Breakcore-Fussel mal wieder alles tut, um die Gäste zu vertreiben.
Zwei kleine Sachen noch: Sehr schön ist der Pyramido-Button mit einem Achteck und den Slogans „True Anti Speed Metal“ sowie „No Speed No Core No Fun“, eine sehr schöne Persiflage eines eher mal lächerlichenBM-Slogans Anfang der Neunziger. Noch besser allerdings die zum wiederholten Male gehörte Ankündigung einer stadtbekannten Kieler Kruste, jetzt nur noch ein Bier trinken zu wollen und nach Hause zu gehen, nur um dann morgens in der Meierei betrunken auf dem Sofa einzuschlafen. Neben der niedrigen Besucherzahlen eine weitere Konstante bei der destruktioncrew.

*Da ich selber Mitglied der crew bin, sind diese Berichte nicht nur gnadenlos subjektiv, sondern auch kurz und knackig auf den Punkt.

Atlantean Kodex – The Golden Bough

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich kaum noch klassischen Metal höre. In den letzten Jahren hat sich mein Geschmack einfach zu sehr gewandelt, dazu kommt das alte Zeit- und Geldproblem. Aber auch so habe ich natürlich mitbekommen, wie sehr Atlantean Kodex im Underground gefeiert worden sind. Und beim Hören des Debütalbums kann mensch auch feststellen: durchaus zu recht. Einflüsse sind sicherlich klassischer Doom wie Candlemass oder Solstice (UK), aber auch späte Bathory oder auch Manowar (die Epik-, nicht die Kaspervariante). Das alles verschmilzt zu einem Mix, der bei den ersten beiden Songs so richtig zündet. ‚Fountain Of Nepenthe‘ und ‚Pilgrim‘ sind grandiose Epic-Metal-Perlen, die Stimmung, die Riffs, die Melodien, da passt einfach alles.

Leider fällt das Niveau danach leicht ab. Der uninspiriert wirkende Schlussteil von ‚Temple Of Katholick Magick‘, die unpassenden, schnellen Parts bei ‚Disciples Of The Iron Crown‘ oder die komisch wirkenden Songzeile „Behold the urkraft“ im Namensgeberlied ‚Atlantean Kodex‘ können halt nicht wirklich überzeugen. Klar, das sind alles eher Kleinigkeiten, aber sie nehmen der Platte doch etwas von ihrer am Anfang ausgestrahlten Großartigkeit. Dafür markiert der fünzehnminütige Abschlusstrack ‚A Prophet In The Forest‘ das Ende eines schönen Albums.

Und auch wenn viele Fans das ander sehen und Atlantean Kodex bedingungslos abfeiern, muss ich sagen, dass „The Golden Bough“ nur teilweise grandios, ingesamt aber ein gutes bis sehr gutes Werk ist. Werd ich mir bestimmt irgendwann noch zulegen…