Archiv der Kategorie 'Death Metal'

Kiel Explode Festival Tag 2 (18.06., Alte Meierei, Kiel)

Leider viiiiiiieeeeeeeeel zu spät und deshalb auch nicht so ausführlich, aber hier ist der Bericht zum zweiten Tag des Kiel Explode-Festivals.

Leider bin ich beim Nachmittagsprogramm (Kaffe, Kuchen und der absolut sehenswerte „Punk Im Dschungel“-Film) nicht am Start, aber bei der Ankunft in der Meierei wird anhand der übrig gebliebenen Mengen Kuchen und des doch recht spärlichen Besuchs klar, dass es heute leerer wird als gestern. Ob daran die Absage der von vielen heiß erwarteten Planks schuld ist oder dem Programm etwas die Abwechslung fehlt, schwer zu sagen.

Als erste Band dürfen dann Honigbomber um halb neun endlich loslegen. Stilistisch nähern sich die Hamburgern dem Noise vom Punk her, was angenehm sperrig klingt und dennoch rockt. Die absolute Gehirnfusion bleibt zwar aus, aber die guten Arrangements sorgen dafür, dass der Gig auf jeden Fall unterhält. Interessant auch, dass die Lieder im Verlaufe des Sets immer länger werden und der Großstadtdiss der Hamburger in Richtung Kiel ist eher augenzwinkernd denn bierernst. Ein schöner Auftakt.

Keine Zähne im Maul Aber La Paloma Pfeifen bieten dann ihre interessanteMischung irgendwo zwischen Wave, NDW, Punk sowie Ironie (textlich) und Schrägheit (musikalisch). Im Gegensatz zu früher nervt mich der Abwechlunsgreichtum und die Brüche nicht so sehr, sondern unterhalten eher, vor allem die NDW-Anklänge wissen zu begeistern. Auch die spärliche Kulisse bringt die Band nicht aus der Ruhe, das Programm wird konsequent und vor allem souverän durchgezogen. Nichts, was ich mir zuhause anhören würde, aber live durchaus unterhaltsam.

„Das ist aber eigentlich kein Grindcore“ – treffende und kurze Aussage zu Mörser. Heute als relativ normale Band, da der dritte Sänger laut den Ansagen der beiden anderen irgendwas zwischen Fieber und EHEC hat, fahren die Bremer trotzdem ein ordentliches Brett auf. Der Wechselgesang wirkt schön brutal, Death-Metal-Riffs treffen auf Grindcoreblasts und heavy Midtemp. Die erstmals gut gefüllte Halle honoriert diese Abrissbirne, so dass von Anfnag bis Ende das Energielevel konstant am Anschlag ist. Der bislang beste Auftritt des Abends.

Fieserweise könnte mensch behaupten, dass die Ringelshirts von Modern Pets das Auffälligste des Gigs sind. Musikalisch solls ja 77′-Punk sein, mich erinnert es viel mehr an Rejected Youth ohne deren Gespür für eingängige Melodien. Sprich, ein durchaus gefälliger Auftritt, der aber völlig an mir vorbei rauscht. Aber da ich eh kein Experte für diese Art Musik bin, könnte mein Fazit auch völlig falsch sein. Sympathisch sind die Jungs auf jeden Fall und der Mob zollt auch Beifall.

Zum Abschluss brechen dann wirklich alle Dämme. Die Gorilla Bierkids und ihre Punk- und Metalkaraoke sorgen nicht nur dafür, dass sich ein nicht unbeträchtlicher Teil des Publikums die Lampen ausschießt, sondern auch dafür, dass so mancher Song im völlig neuen Gewand erscheint. Von verdammt orginalgetreu bis zum totalen Absturz ist alles dabei, alles kongenial von Moderator und Teilzeitsänger (in einen weißen Anzug, Typ: schmieriger Animateur auf Seniorenkreuzfahrten) zusammen gehalten. Seine Art trifft zwar nicht bei allen auf Gegenliebe, aber er hat das um sich greifende Chaos bis zum Abschluss ‚T.N.T.‘ gut im Griff. Die Instrumentalfraktion erweist sich ebenfalls als souverän, alles in allem ein würdiger Abschluss eines ingesamt großartigen Festivals.

Ein kurzes Fazit sei noch gestattet, bis auf die umstrittende Essenssituation (die Stimmen zum Vegan Wonderland-Essen deckten die ganze Palette ab) ein rundum gelungenes Festival, tolle Auftritte, entspanntes Publikum (nur zu wenig Leute am Samstag) und eine schöen Atmosphäre. Hoffentlich gibt es eine Fortsetzung!

Metallischer Blick gen Ägypten, Iran und Singapur

Ich bin nur durch Zufall drauf gestoßen, möchte euch aber diese drei Bands, alle beim Daeva-Blog, in diesem Beitrag, nicht vorenthalten. Scarab aus Ägypten sind dabei schön straighter Death Metal, eingängig, aber halt mit dem nötigen Schuss Technik, sprich kein reines Old-School-Gebolze. Textlich auch kritisch unterwegs, ein wohltuender Unterschied zu dem frauenverachtenden Dreck, der heute im Death Metal oftmals abgesondert wird. Aliaj aus dem Iran würde ich mal grob im progressiven Metalbereich einsortieren. Sehr interessante, abwechslungsreiche Musik, auch hier wird textlich durchaus Kritik am Regime geübt. Fast überflüssig zu erwähnen, dass die Band mittlerweile im Exil lebt bzw. leben muss. Als letztes dann noch Rudra aus Singapur, mein persönlicher Favorit mit ihrer aggressiven Mischung aus Black und Death Metal. Bei reverbnation kann mensch auch in das brandneue Album rein hören. Lohnt sich!
Abschließend sei noch gesagt, wie es der Macher des „Heavy Metal And Gender“-Kongresses ja auch schon erwähnt hat, das Heavy Metal außerhalb Deutschlands gar nicht so unpolitisch ist, wie es vor allem hiesige Bands, Fans und Magazine immer propagieren. In bestimmten Ländern, siehe z.B. Aliaj, kann alleine das Spielen in einer Metalband schon bedeuten, mit dem Repressionsapparat des Staates konfrontiert zu sein. Etwas, was eurozentrische Metaller in Deutschland gerne mal vergessen und mit Volldeppen-Staements wie „Metal muss unpolitisch sein“ oder so ähnlich um sich werfen, was die Magazine dann auch brav unkommentiert abdrucken. Etwas mehr Nachdenken und weniger Dogmatismus wäre da wünschenswert. Bis dahin könnt ihr ja alle fleißig Rudra hören, ich werde jedenfalls gerade zum Fan!