Archiv der Kategorie '2010'

Ein paar überfällige Lesetipps…

Überfällig vor allem insofern, als das ich sie zum Teil schon längst verlinkt haben wollte. Es geht um Burzum, Frei.Wild, die russische Hardcoreband What We Feel, einen alten, aber noch aktuellen Artikel zu Forgotten Darknessund ein kurzer Abriss über Nazimusik in Australien.

Als erstes ein Blogeintrag aus Metallersicht zu Varg Vikernes und Burzum . Auch wenn einiges diskussionswürdig ist, so ist der Grundtenor mit seiner eindeutig formulierten Ablehnung doch klar positiv zu sehen. Würden das mehr Metaller so eindeutig sehen, hätte die Szene wahrscheinlich ein Problem weniger.

Auf den Artikel im aktuellen Antifaschistischen Infoblatt zu Frei.Wild habe ich ja schon hingewiesen, mittlerweile ist die Langfassung bei a.i.d.a. online. Damit sollte eigentlich jedem klar werden, wessen Geistes Kind die Band ist und dass völkisch-nationalistischer Scheißdreck in Subkulturen wie Punk, Hardcore und Metal nichts zu suchen hat. Leider wird das wohl bei vielen Fans, Magazinen und Promotern auf taube Ohren stoßen…

Von Südtirol nach Rußland. Aufmerksame Beobachter werden mitbekommen haben, dass Antifaschismus in Rußland lebensgefährlich ist. Dabei kann es vom Punk bis zum Richter alle treffen, die russischen Neonazis schrecken vor Mord schon lange nicht mehr zurück. Insofern ein sehr bedrückender Artikel über What We Feel und ihre Auflösung. Trotzdem kann die Devise auch weiterhin nur lauten: Solidarität mit den russischen Antifas und ihrem Kampf gegen Neonazis!

Ein weiterer, lesenswerter Artikel ist der über die Geschichte von Neonazimusik in Australien. Zwar als kurz tituliert, wird dort ausführlich auf die Entstehung, Quververbindungen, interne Streitigkeiten und Strukturen eingangen, dazu gibt es noch weiter führende Links. Definitiv empfehlenswert!

Zum Schluss ein schon vier Jahre alter Artikel aus der Lotta zur Black-Metal-Band Forgotten Darkness. Zwar halt schon älter, aber die Argumentationsweise der Band ist auch heute noch im Black Metal so oder so ähnlich bei vielen Bands anzutreffen. Nach außen hin „unpolitisch“ geben, nach innen keine Berührungsängste gegenüber Nazis.

So, jetzt viel Spaß beim Lesen und Informieren!

Mengele, finnischer Black Metal und die moderne Medizin

Es ist ja mittlerweile nichts Neues, dass sich in fast schon regelmäßigen Abständen Musiker aus dem extremen Metalbereich, vor allem natürlich im Black Metal als Nazis, Nationalisten, Antisemiten, heterosexistische Arschlöcher oder Rasissten herausstellen. Die Frage, wie kaputt eine Szene sein muss, in der solches Gedankengut fast schon zwangsläufig dazu gehört, lässt eigentlich nur eine Antwort zu: völlig oder total. Gründe dafür gibt es zuhauf, dazu aber vielleicht in Zukunft mehr.
Heute geht es im konkreten Fall um Pasi Koskinen. Der war von 1995 bis 2004 Sänger bei der finnischen Metalband Amorphis und singt zur Zeit noch bei seiner Band Ajattara (Black Metal). Anfang des Jahres tauchten dann Fotos von ihm im Josef-Mengele-Shirt auf( siehe hier. Darauf angesprochen kam dann folgendes Statement:

I know very well who Josef Mengele is and I adore his burden for modern medical knowledge. I have no pity for your kind, as you are just a piece of dirt!
most kindly: Itse Ruoja Suruntuoja

(via RockHard-Forum).

Aber er trat mit diesem Shirt nicht nur bei Ajattara, sondern auch bei Amorphis (bei deren „Magic &Mayhem“ Shows kamen ehemalige Mitglieder auf die Bühne, um dort zu performen) in Erscheinung (das zugehörige Video wurde aufgrund eines Einspruchs von Nuclear Blast von youtube entfernt). Amorphis veröffentlichten daraufhin ein Statement, in dem sie sich von Pasi distanzierten, den Vorfall bedauerten und klar machten, dass er in Zukunft nicht mehr bei Auftritten dabei sein würde. Siehe z.B. hier.

Das einzig positive ist das deutliche und gute Statement von Amorphis, ansonsten bleibt, dass ein Musiker sich in seiner Rolle als rechtsaffiner/neonazistischer Spinner und Provokateur suhlt und sich einreiht in die lange Reihe von Black-Metal-Musikern, die sich mehr oder minder offen positiv auf den Nationalsozialismus und dessen Gedankengut beziehen. Das als bloße Provokation abzutun, würde die Uraschen dieses Verhaltens verkennen und entspräche keinesfalls dem Ausmaß desselbigen. Bleibt nur zu hoffen, dass Ajattara und Pasi dadurch Anhänger verlieren und die Band in Zukunft boykottiert bzw. bekämpft wird.

Supporting the war: Accept

Unterstützung für den sogenannten „war on terror“ fand sich bisher vor allem in den Vereinigten Staaten, wo zig Bands entweder durch direkte Unterstützung der Truppen in Form von Auftritten oder durch textliche Peinlichkeiten. Die deutsche Heavy-Metal-Band Accept, die sich dieses Jahr ohne ihren Sänger Udo Dirkschneider refomiert hat, formuliert auf dem Titeltrack des Reunionalbums „Blood Of The Nations“aber so üble Kriegspropaganda, dass mensch nur schlecht werden kann. (Text hier, Auszüge sind in Anführungszeichen gesetzt).
Der Text ist aus der Wir-Perspektive verfasst, identfiziert sich also mit den Soldaten, die kämpfen. Blut klebt an den Händen der anderen, die den Krieg erst gestartet haben. Die Soldaten werden bis ins Äußerste glorifiziert (It’s a noble cause“), am Ende sind sie bereit, mit ihrem Leben zu bezahlen. Und wofür? Auch da wird die ganze ekelerrregende Propaganda ausgebreitet. Es geht um die Freiheit, die ihren Preis hat, um die Zukunft der Nationen, die Sicherung des Lebensstils, ja für Träume und Ideale, die Freiheit der Massen, der Erhalt von Frieden und Sicherheit usw., dafür lohnt es sich zu kämpfen (all that’s worth fighting for“) und wie schon gesagt, mit dem eigenen Leben zu bezahlen. Dabei fühlt mensch sich selber im Recht („and stand up for what is right“) und will sich für die Ermordeten rächen („to avenge our brothers murders), ja, der Krieg wird sogar als Treibstoff für das Feuer der Freiheit gesehen („the fuel of freedoms‘ fire“) und natürlich muss das nicht nur so sein („that’s the way it has to be“), es wird auch bis zum Ende durchgezogen („we fight to the end“).
Nicht nur, dass das Dasein des Soldaten total überhöht wird, indem sein Tun (Menschen töten) eine moralische Legitimation verpasst bekommt, es werden fast apokalyptische Untergangsszenarien an die Wand gemalt und die Schuld eindeutig zugewiesen, die haben nämlich nur die anderen. Das sind auch nicht die Massen, die möchte mensch ja befreien, sondern nur eine Minderheit. Durch die Wir-Perspektive findet dabei nicht nur eine Identfizierung mit den Soldaten statt, der Hörer soll daran erinnert werden, dass es auch um ihn selber geht, um seine Freiheit, Sicherheit, Träume, Ideale, etc.. In diesem Text sind aber nicht nur die üblichen Rechtfertigungen für den Krieg vorhanden, durch seine simple Schwarz-Weiß-Sicht, das Konstruieren unvereinbarer Gegensätze und dem Anspruch, genau wissen zu wollen, was die Massen brauchen, lassen sich auch kulturalistische Tendenzen im Text finden sowie die Abwertung ganzer Gruppen von Betroffenen (zu unschuldig getöteten Unbeteiligten findet sich im Text gar nichts).
Accept vermischen also dumpfe Kriegspropaganda mit Glorifizierung des Soldatentums, blenden zivile/unbeteiligte Opfer ebenso aus wie die differenzierten Gesellschaftsstrukturen in den Kriegsgebieten, zeichnen simple Freund-Freind-Schemata mit kulturalistischen Anklängen und zeichen ein Idealbild, das mit der Wirklichkeit im Irak oder Afghanistan genau nichts zu tun hat. Gefällt Kriegsminister zu Guttenberg bestimmt super. Mir kommt bei sowas jedenfalls das Kotzen. Das hat auch nichts mehr mit Rebellion oder anti-autoritärer Haltung zu tun, sondern ist reaktionärer Scheißdreck. Und genau dagegen hatte sich Heavy Metal einstmals aufgelehnt. Nur haben das wohl weder Accept noch die ganzen Fans, die das Album gekauft haben, auch nur im Ansatz kapiert.

dc-Konzerte (3): Pyramido*

Datum: 16.12.2010
Band: Pyramido
Zahlende Besucher: 13

Nachdem es im Juni aufgrund von Krankheit nicht geklappt hatte, schaffen es die symapthischen Schweden-Doomer von Pyramido dieses Mal, trotz mieser Witterung, in die altehrwürdige Meierei. Die Besucherzahlen lassen zwar mal wieder zu Wünschen übrig, aber das sind wir ja schon gewohnt. (Zumal ja zeitgleich Doro mit ihrem Steinzeit-Metal und den ewig gleichen Lederklamotten im Max zu Gange ist.) Das Publikum ist jedenfalls hellauf begeistert, soviel sei schon mal vorweg genommen.
Um halb elf geht es dann auch los und das verdammt gut. Ausgehend von einem dreckigen Mix aus Doom und Sludge baut das Sextett (ja, richtig, neben dem üblichen Kram gibt es auch elektronischen Schnickschnack) eine ordentliche wall of sound auf, in der sich auch Querverweise gen Dystopia oder gar St.Vitus finden lassen. Daneben wird nicht nur nahe des Stillstands agiert, sondern zwischendrin auch immer wieder das Tempo angezogen, was für die nötige Abwechslung sorgt. Der Applaus ist dementsprechend gut und vor der Bühne lassen ein paar Menschen sogar ordentlich die Haare fliegen. Kein Wunder also, dass auch eine Zugabe her muss, bevor dann erstaunlich früh (so 45-50 Minuten Spielzeit, für Doomer quasi nichts) Schluss ist. Trotzdem ein sehr schöner Auftritt, findet auch das Publikum, dass sich auch erstaunlich hartnäckig erweist, als Breakcore-Fussel mal wieder alles tut, um die Gäste zu vertreiben.
Zwei kleine Sachen noch: Sehr schön ist der Pyramido-Button mit einem Achteck und den Slogans „True Anti Speed Metal“ sowie „No Speed No Core No Fun“, eine sehr schöne Persiflage eines eher mal lächerlichenBM-Slogans Anfang der Neunziger. Noch besser allerdings die zum wiederholten Male gehörte Ankündigung einer stadtbekannten Kieler Kruste, jetzt nur noch ein Bier trinken zu wollen und nach Hause zu gehen, nur um dann morgens in der Meierei betrunken auf dem Sofa einzuschlafen. Neben der niedrigen Besucherzahlen eine weitere Konstante bei der destruktioncrew.

*Da ich selber Mitglied der crew bin, sind diese Berichte nicht nur gnadenlos subjektiv, sondern auch kurz und knackig auf den Punkt.

Rettet die Kieler Schaubude!

Neben der Alten Meierei ist die Kieler Schaubude wohl Kiels bester und wichtigster Konzertort, wo vor allem auch regelmäßig Konzerte und Parties statt finden. Und das auch eintritts- und getränkemäßig zu durchaus erschwinglichen Preisen, auch wenn das logischerweise halt nicht Meierei-Niveau hat, was z.B. die Getränkepreise angeht. Die musikalische Vielfalt reicht dabei vonPunk, Hardcore über Metal bis hin zu Jazz, Funk, Soul oder auch Reggae und Dubstep. Leider ist die Schaubdue jetzt akut bedroht, die Kieler Volksbank will das Gebäude, in dem sich die Schaubude befindet, abreißen, um dort neumodisch-gesichtslose Eigentumswohnungen und Bürogebäude zu errichten. Auf Gesprächsangebote eines alternativen Investors wird dabei nicht reagiert. Deshalb unterzeichnet alle die Petition, um so Druck aufzubauen. Alles weitere dann hier. Und natürlich in den nächsten Tagen und Wochen ruhig fleißig in der Schaubude vorbei gucken, z.B. am 07.01.2011, wenn Power und Alarmstufe Gerd die Hütte rocken.