Volldeppen des Monats: Der Weg Einer Freiheit

Tja, mal wieder neues von der Grauzone, in diesem Falle von einer Band, von der mensch es im ersten Moment gar nicht erwartet hätte, Der Weg Einer Freiheit. Der zugrunde liegende Vorfall ist dabei schnell erzählt: Nazisympathisant_innen in Burzum-Shirts wird in Frankfurt der Eintritt zum Konzert aufgrund ihrer Shirts verweigert. So weit, so gut. Eher nicht so gut, dass dann wohl doch NSBM-Hörer_innen mit ihrem Nazidreck von Satanic Warmaster es aufs Konzert schaffen. Naja, mangelnde Kenntnis über NSBM-Bands ist im Metal ja nun wirklich nichts Neues, sondern leider altbekannter Standard. Das dann natürlich rumgeheult wird, ist auch nichts Neues (Nebensatz am Rande: die Endstille-Behauptung ist definitiv falsch.).
Und ebenfalls gar nichts neues, ist der Quatsch, den dann ein nicht näher benanntes Bandmitglied von Der Weg Einer Freiheit absondert:

»Hallo Vitus, ich habe deinen Beitrag sowie die zusätzlichen Kommentare gelesen! Sorry nochmal, daß dir das den Abend so vermasselt hat. Aber wie gesagt, das wurde über unseren Kopf hinweg entschieden und es nervt mich ehrlich gesagt, daß wir als 100% unpolitische Band auf einer
politischen Veranstaltung spielen. Das ist sie in meinen Augen genau dann, wenn sie unter dem Banner »gegen rechts« läuft. Nicht falsch verstehen, wir verabscheuen nationalsozialistischen und
faschistischen Abschaum aufs Äußerste und würden natürlich genauso wenig auf einer rechten Veranstaltung spielen, aber wir appelieren mit unserer Musik an das Gute im Menschen, gehen also den humanistischen Weg und nicht den politischen. Dafür habe ich mich entschieden und
dabei wird es bleiben. Wir werden uns jetzt und in Zukunft auch nicht weiter auf solche
Diskussionen einlassen. Bzw. wollen wir es versuchen, oftmals wird man ja leider regelrecht dazu gezwungen… Ich denke auch, daß es für dich/euch nochmal einige Möglichkeiten gibt, uns zu sehen! :) […]«

Mensch ist natürlich gegen Faschismus, möchte aber nicht auf Veranstaltungen spielen, wo sich explizit gegen Faschismus ausgesprochen wird. Weil, das sei ja politisch und als Band seien sie ja 100% unpolitisch. Das darin ein eklatanter Widerspruch besteht, scheint aber bei Der Weg Einer Freiheit niemand zu bemerken. Wie auch, denn es geht ja noch weiter. Das Bekenntnis zum Humanismus mutet eh schon merkwürdig an, gerade für ein Genre wie Black Metal, wo ein bestimmendes Element ja oftmals der Antihumanismus ist, die Trennung von Humanismus und Politik offenbart dann nicht nur ein eurozentrisches Weltbild, sondern auch mangelndes Geschichtswissen. Aber auch das ist im Black Metal ja nun wahrlich nichts Neues.

Bleibt also festzuhalten: Der Weg Einer Freiheit kommen über pflichtschuldige Bekenntnisse gegen Faschismus nicht hinaus, haben aber mit Politik in der Musik ihre Probleme, nicht aber mit Nazisympathisant_innen, die ihre Konzerte besuchen. Es ist wie immer in der Grauzone: fadenscheinige Lippenbekenntnisse, Intoleranz gegenüber Antifaschist_innen, Toleranz gegenüber Nazis und alles total unpolitisch. Das diese Haltung zum Kotzen ist, muss ich wohl niemandem mehr erzählen…

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4 Antworten auf „Volldeppen des Monats: Der Weg Einer Freiheit“


  1. 1 Red 04. Mai 2012 um 16:09 Uhr

    spielst du in einer band? es ist nicht immer leicht, jeden kerl mit einem beschissenen t-shirt rauswerfen zu lassen. DWEF sind mitglieder der Deathcore Band „Fuck your shadow from behind“ und somit bestimmt NICHT an nazi-publikum gewöhnt und werden es auch nicht gutheißen. aber man steht eben auch unter großem druck. die von dir bemängelte konsequenz ist ein problem, aber keins, das DWEF in „die grauzone“ befördert, oder?

    wenn einer in einem satanic warmaster shirt auf das konzert geschafft hat, ist das keine schande für die veranstalter, im gegensatz zu absurd gehören die umstände zu SW nicht zum „metal-allgemeinwissen“, auch wenn es ein antifaschistisch orientierter metal fan natürllich trotzdem wissen sollte. die metal szene ist nunmal nicht komplett links, und es gibt eben auch menschen (darunter eben metalfans und musiker) die sich nicht zu sehr um solche dinge kümmern.

    respektvoll

    Red

  2. 2 laermstoerung 17. Mai 2012 um 13:08 Uhr

    Es geht hier in erster Linie nicht um die Veranstalter_innen (das denen ein Shirt durch rutscht, kann passieren, immerhin gut, dass sie sich überhaupt Gedanken machen), sondern um Der Weg Einer Freiheit. Und wer sich als 100% unpolitisch aufspielt, mit Veranstaltungen gegen rechts ein Problem hat, einem Typen, der Magog abfeiert, in den Arsch kriecht (sprich, mit rechtsaffinem Publikum kein Problem hat) und sich dann zum Humanismus bekennt (ist als weißer Mitteleuropäer ja auch einfach, dass dann als unpolitisch hinzustellen), der ist nicht nur ein Volldepp, sondern hundertprozentig in der Grauzone angesiedelt. Toleranz gegenüber rechtem Gedankengut, Einstellungen und Publikum und die Ablehnung einer eindeutigen Positionierung ist doch unter anderem typisch Grauzone.

  3. 3 Trever 08. September 2012 um 14:30 Uhr

    Einer Band den Stempel Grauzone zu verpassen in der drei Bandmitglieder russischer, italienischer und türkischer Abstammung sind und deren Texte keinerlei Ansätze nationalistischen Gedankenguts beinhalten finde ich etwas bedenklich. Ich kann die Kritik durchaus nachvollziehen da ich wenn es um Rechtsextremismus geht klare linke Positionen vertrete. Allerdings nehme ich der Band Der Weg Einer Freiheit absolut ab dass sie mit ihrer unpolitischen Haltung lediglich den Fokus auf ihre Musik legen wollen. Großes Kompliment für diesen blog und deine Arbeit, in diesem Fall halte ich die Kritik allerdings für etwas zu überspitzt. Weiter machen!

  4. 4 DWEF 24. Oktober 2012 um 19:18 Uhr

    Ich finde Politik hat in der Musik nichts zu suchen, egal in welche sie geht. Ich kann es total verstehen wenn die Herren von DWEF nichts mit Politik zu tun haben wollen. Und wenn man total unpolitisch ist will man auf keiner Veranstaltung spielen, die ein politisches Ziel verfolgt… egal welches.
    Und Menschen, die man garnicht kennt zu beschimpfen geht garnicht… sorry.

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