Party.San: Keep nazi scum out of metal?

Die letzten Tage waren für die Macher_innen des Party.San Open Airs nicht gerade schön. Nach der Bekanntgabe, dass Nile und Sargeist 2012 auf dem Festival spielen würden, entzündete sich vor allem an letzteren Kritik. Folge: Die Band wurde, nachdem sie sich weigerte, Stellung zu beziehen, wieder ausgeladen.

Kein Wunder also, dass auf Facebook der übliche Sturm der Entrüstung losbricht, allerdings über die Absage von Sargeist und nicht etwa über die Band selber. Nichts neues, das ist numal zu erwarten, wenn große Teile einer Szene wie der BM-Szene sich für die politischen Aussagen und Hintergründe von Bands und Musikern schlicht nicht interessieren bzw. mit dem fadenscheinigen Argument, dass Politik nichts in der Musik zu suchen habe, jedweder kritischen Auseinandersetzung entziehen. Hauptsache, der Nazifan bzw. -musiker säuft sein Bier bzw. spielt seine Songs und verhält sich unauffällig, dann darf er auch menschenverachtende Ideologien wie Rassismus, Nationalsozialismus und Antisemitismus abfeiern. Kommt es dann doch mal zu kritischen Nachfragen, geben sich große Teile der Szene demonstrativ genervt und starten Angriffe auf die Kritiker_innen, was dann teilweise in absurder Anti-Antifa-Hetze gipfelt, die sich kaum mehr von der Anti-Antifa-Arbeit von Neonazigruppierungen unterscheidet.

So weit, so schlecht. Was aber hat das Party.San damit zu tun? Nun, das Party.San ist so was wie der Einäugige unter Blinden. Das Drucken von Shirts mit einer zerbrochenen schwarzen Sonne und dem Slogan „keep nazi scum out of metal“ sowie der Weigerung bestimmte Bands wie z.B. Menhir auf dem Festival spielen zu lassen, dazu seit einiger Zeit verschärfte T-Shirt-Kontrollen – die Party.San-Macher_innen zeigen sich zumindest engagiert.
Und trotzdem bleiben Fragen offen. Dabei geht es nicht um die Tatsache, dass sexistischer Dreck wie Devourment, Rompeprop oder Lividity auf dem Festival immer gerne gesehen ist, sondern erst mal um Sargeist selber. Wie stumpf oder desinteressiert muss Mensch sein, um die Verstrickungen der Band gen NSBM nicht zu sehen? Informieren sich die Party.San-Macher_innen, die ja seit langen Jahren in der Szene aktiv sind, nicht über die Bands, die sie buchen? Eine simple Google-Suche bzw. ein Blick bei metal archives hätte doch schon klar machen können, nein, müssen, dass bei Sargeist einiges im Argen liegt, ums mal neutral zu formulieren. Definitiv ein dicker Fehler der Macher_innen. Aber gut, Fehler macht jede_r mal, das wäre nicht so schlimm.

Was dann schlimm ist, ist der uneindeutige Kurs in Bezug auf andere Bands. Nicht nur umstrittene Bands wie Impaled Nazarene, sondern auch Bands wie Nachtmystium, deren Toleranz gegenüber Nazis und der Relativierung der Shoah offensichtlich ist, durften 2010 spielen, sondern auch dieses Jahr Gospel Of The Horns, die in der Vergangenheit durch nationalistische, rassistische Tiraden aufgefallen sind und das Judeo-Christentum als Krebsgeschwür betrachten.
Bleibt als Fazit, dass ein Slogan wie „keep nazi scum out of metal“ zur Zeit nur eine Floskel ist, zumindest in Bezug auf das Party.San. Es wird zwar teilweise auf Kritik eingegangen und auf gewisse Mindeststandards gesetzt, diese Standards werden aber dann bei einigen Bands angewandt, bei anderen nicht. Eine konsequente Auseinandersetzung mit der Grauzone im Black Metal und mit der Verstrickung von Black-Metal-Musikern in menschenverachtende, rassistische, nationalistische und antisemitische Aussagen und Milieus findet allenfalls willkürlich und stichprobenartig statt. In diesem Sinne ist der propagierte und oben erwähnte Slogan viel Lärm um (fast) nichts. Statt konsequent gegen Nazis und menschenverachtende Ansichten vorzugehen, verstecken sich die Party.San-Macher_innen hinter markigen Worten, denen dann nur ausnahmsweise Taten folgen. Der Rest ist Toleranz gegenüber Nazis und deren Gedankengut.

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4 Antworten auf „Party.San: Keep nazi scum out of metal?“


  1. 1 interessierte 28. März 2012 um 4:46 Uhr

    ich frage mich..wo bleibt eigtl genauso gut recherchierte kritik an toxic holocaust (man beachte da doch mal explizit die live musiker,wo ich auch schnell mal bei seeds of hate,dadurch dann zu total hate,krieg usw lande)
    oder an kvelertak (für die sich nocht nicht die mühe machten ins booklet zu schauen und dort hoest von taake,welche ja auch gern mal angeprangert werden,zu finden ist)

    und warum schreit niemand,wenn auf einmal zig crusties mit darkthrone patches und shirts rumrennen (haben ja schliesslich auch mit vikernes ein album gemacht..aber stop..die sind ja „rehabilitiert“)

    ich hab diese doppelmoral (nicht nur diesbezüglich) sowas von satt leute!

  2. 2 laermstoerung 28. März 2012 um 10:33 Uhr

    Ich nehme mal kurz Stellung: das mit Toxic Holocaust war mir bis jetzt nicht bewusst (mein Fehler, ganz klar), zu Kvelertak kommt eventuell nochmal was und das Thema Darkthrone wird noch diskutiert. Ich muss dazu aber sagen, dass zwischen Bands wie Darkthrone, die Fehler eingestehen und sich distanzieren und vielen hier behandelten Bands, die eben genau das nicht tun, immer noch ein Unterschied besteht. Heißt aber dann nicht, dass Bands wie Darkthrone dann von jeglicher Kritik ausgenommen sind.

  3. 3 Red 04. Mai 2012 um 15:56 Uhr

    Eins vorweg; ich bin 100% AntiFaschist und in Metallerkreisen für mein oft „nervige Rummeckern“ an evtl Problematisches Bands bekannt und z.T auch verhasst. Aber jetzt mal einige Kritikpunkte an diesem beitrag

    Sargeist
    – ich bin selber kein Fan der Band, und mir ist nach einem Blick auf die Metal-Archives auch aufgefallen, dass da Mitglieder von Horna spielen, die glaube ich rechts sein sollen. Somit verteidige ich nicht die Band, sondern die Art, wie mit Informationen umgegangen wird. Es ist übertrieben zu behaupten, dass man „sofort“ sehen würde dass die band rechts ist. Im gegensatz zu den meisten anderen Nazi bands steht es nämlich nicht im Metal-Archives, auch unter „lyrical themeas“ nichts wie etwa „racism“ oder „anti-islam“. wer zudem nichts über Horna weiß, findet also keinen anlass auf der seite, und es wurde ja auch nicht geschrieben worauf der vorwurf genau begründet ist. diese art der quellenlosen argumentation führt doch gerade dazu, dass antifa arbeit und aufklärung in ein so schlechtes licht gerückt werden, und das will doch eigentlich keiner.

    was über die BM szene geschrieben wurde, ist korrekt und eine tatsache, die mich sehr traurig macht; alllerdings empfehle ich linken metalfans, sich mal mit „RED BLACK METAL“ wie zb Iskra zu befassen. eine angenehme fußnote der BM szene, die leider oft zum wegschauen neigt.

    über die texte von menhir kannman sagen was man will; mir selbst gefällt diese pagane heidenschiene auch nicht. aber ich habe die band durch freunde viel gehört, und NIE einen hinweis auf nazi-texte oder sonstwie homophobe oder xenophobe inhalte gefunden, das also in einem satz abzuhandeln, ist auch nicht sehr gründlich.

    rompeprop sind ekelhaft, unmoralisch und – weder sexistisch noch ernsthaft. die grindcore szene ist allgemein wenn überhauüt eher links und etwaige „perverse“ texte sind nicht gefährlich, kenner der grindszene werden das bestätigen können. klar, das ist dann auch alles subjektiv, und wenn du einen stichaltigen beweis wegen rompeprob hast, werde ich das natürlich zurücknehmen.

    bei Kvelertak werde ich aber fuchsig; ich finde taake und hoes auch scheiße, aber die band ist nicht wirklich mit dem befreundet, er kamm betrunken ins studio und hat laut aussage der band „im fallen“ etwas eingekreischt, dass man „Noch verwenden konnte“. hier muss ich sagen, ich würde solche leute nicht in mein haus lassen, aber es ist das gute recht der jungs, das anders zu halten. sowohl die texte als auch musik und image sind ÜBERHAUBT nicht bedenklich, und wegen EINEM gastbeitrag eine band abzustempeln, ist genau das, was man uns immer wieder vorwirft; absurd!

    darkthrone kann man übrigens hören. ich bin kein faschist und stemple die band wegen vergangener fehler nicht ab; Fenriz und NOcturno haben in zahlreichen interviews ihre authentizität unter beweis gestellt und nachvollziehbar die gründe ihres vorgehens geschildert und sich auch in authentischer weise davon distanziert. in der total beschissenen balck metal doku „until the light takes us“ ist fenriz der einzige interviewte, der keinen scheiß erzählt. den film kann cih dir zu recherche und für deinen blog hier mal empfehlen; ein absolutes negativ beispiel, in denen aussagen wie „ich hab ja schon respekt davor dass er die schwuchtel wirklich abgeknallt hat“ unkommentiert stehen gelassen und somit WIEDER die fuckin black metal musik in ein schlechtes licht gerückt wird.

    übrigens, ich habe vollsten respekt vor diesem blog und meine kritikpunkte sind nicht als persoöhnlicher angriff zu werten; ich komme ebenbei der „beweisführung“ streckenweise nicht mit. sorry dass ich hier wieder so viel geschrieben habe, stay tuned.

    sincerely

    Red

  4. 4 interessierte 01. Juli 2012 um 18:52 Uhr

    @ red

    du das mit kvelertak ist mir eigtl total latte…
    das sollte für mich einfach nur die doppelmoral verdeutlichen…die einen werden gefeiert und andere nicht,obwohl dort im endeffekt selbiges „larifari“ zur debatte steht(gastauftritte usw),aber da mag man ja evtl nicht die musik,von daher lässt sich da schneller verteufeln.

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