Morne, Appalachian Terror Unit, All Or Nothing HC (13.06, Hafenklang, Hamburg)

Seit ihrem ersten Demo 2008, spätestens aber seit ihrem ersten Album „Untold Wait“ (‚Machine‘ ist einer der besten Songs überhaupt) und ihrer absolut fantastischen Show in der Alten Meierei im August 2009 zählen Morne zu meinen absoluten Lieblingsbands. Der Vorabtrack des neuen Albums „Asylum“ namens ‚My Return‘ verspricht auch schon Großes, so dass ein Konzertbesuch quasi Pflicht ist, zumal das Rahmenprogramm mit Appalachian Terror Unit und All Or Nothing HC einen abwechslungsreichen Abend verspricht.

Als erstes dürfen dann All Or Nothing HC in dem doch sehr spärlich gefüllten Hafenklang auf die Bühne. Und die Band macht ihre Sache ziemlich gut. Bei den ersten Songs wirkt das Quartett zwar noch etwas steif, aber dann taut vor allem Sängerin Renae mehr und mehr auf. Sie steht mehr vor als auf der Bühne, interagiert mit dem Publikum, die Ansagen werden auch länger und ausführlicher und strahlt vor allem mehrmals übers ganze Gesicht, ein Zeichen dafür, wieviel Spaß sie hat.
Auch ihre Gestik und Mimik, mit der Lieder untermalt werden, wirkt nie übertrieben, sondern passt perfekt. Die Mützenfraktion an den Saiten nutzt den Platz auf der Bühne gut aus und untermalt den wütend-angepissten Hardcore/Punk mit ordentlich Bewegung. Und Songs wie ‚California Bleeding‘ oder ‚Solidarity‘ sind halt auch einfach gut. Highlight ist aber definitiv das abschließende ‚They Are We‘, dessen Refrain mir noch Tage später im Kopf rumschwirrt. Definitiv ein guter Auftritt.

„We are Appalachain Terror Unit and we play crust“ – passender und treffender kann mensch das nun folgende wohl kaum beschreiben. Die Amis hängen zum einen knietief im Thrash Metal, zum anderen halt im Oldschool-Krustensound, quasi eine aufgemotzte Version von Nausea. Ansagen gibt es nur ein paar, auch eher kurz gehalten, dafür regiert hier ein Riffmassaker (Melodien? Hahaha) sondergleichen, die Gitarre ist echt verdammt laut und sägt und sägt und sägt. Sehr schön auch der Bassist, der im guten, alten Ausfallschritt bangt wie ein Berserker.
Ist zwar so originell wie geschnittenes Brot und auch null anspruchsvoll, ich finde es aber echt super. So muss metallischer Crust klingen! Für Menschen, die mit Crust wenig bzw. gar nichts anfangen können und auch nicht metalaffin sind, dürfte das aber nach spätestens drei Songs langweilig werden. Wie auch immer, dank des gnadenlosen Riffmassakers und des wirklich guten Frau-/Mann-Wechselkreischens ein astreiner Gig. Würd ich mir jederzeit wieder angucken.

Aber jetzt zum eigentlichen Grund meines Kommens, Morne. Was als erstes auffällt, dass die Band jetzt einen festen Keyboarder dabei hat, das konnte mensch aber nach den ersten Hörproben des neuen Albums schon erwarten. Das ist auch das einzige Manko des Gigs, dass das Keybaord phasenweise echt zu laut ist. Ansonsten steht der Anfang des Konzerts ganz im Zeichen des neuen Albums „Asylum“. Und es ist schon ein Stilwechsel auszumachen. Schleppender und experimenteller, vor allem der zweite Song, sind sie geworden, dabei auch düsterer, hypnotischer und heavier. Phansenweise bauen Morne eine gewaltige Soundwand auf, die den Hörer ordentlich plättet.
Andererseits sorgen die Wiederholungen auch für eine hypnotische Stimmung, die die Anwesenden unweigerlich in ihren Bann zieht. Mit ‚Twilight Burns‘ läutet die Band dann die zweite Hälfte des Sets ein und zeigt, dass sie ihre Roots nicht verleugnen. Was für Riffs! Und der Abschluss toppt dann eh alles. Das absolut phänomenale ‚Machine‘ mit dem großartigen Break nach zwei Minuten ist live nochmals um Längen besser als auf Platte und einen besseren Ausklang als ‚My Return‘ ist kaum vorstellbar. Nach einer Stunde ist dann Schluss und Morne haben ihren oben erwähnten Status mehr als eindrucksvoll bestätigt. Definitiv mein Konzert des Jahres!
Einziger Wermutstropfen: allenfalls optimistisch geschätzte fünfzig anwesende Gäste sind für so ein großartiges, abwechslungsreiches Konzert definitiv viel zu wenig.

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