Vladimir Harkonnen, Affenmesserkampf, Chaos Control, And Then They Run (10.06.2011, Alte Meierei, Kiel)

Die Rotten Sprotten Crew, Kiels umtriebigste Konzertgruppe, wenn es um Punk geht, hatte zur Feier der Veröfffentlichung des „Buschmesser, Äxte, Alles“-Samplers (Review folgt) an zwei Tagen zur Releaseparty in die Meierei geladen. Keine Frage, dass darf mensch sich nicht entgehen lassen.
Als ich um kurz nach halb zehn eintreffe, ist zwar schon was los, der große Andrang sieht aber anders aus. Auch für den Rest des Abends lässt sich festhalten, dass die Meierei zwar gut, aber nicht übermäßig gefüllt ist. Das schlägt sich zwar negativ auf die Absatzzahlen des Samplers nieder (Schande über eure Häupter, falls ihr das Ding immer noch nicht habt), sorgt aber für eine entspannte Konzertatmosphäre.

Zu And Then They Run kann ich gar nicht allzu viel sagen, da ich aufgrund von Gesprächen nur die letzten zwei Songs des Konzerts vollständig sehe und höre. Was ich aber draußen als Hintergrundbeschallung und zum Schluss mitbekomme, klingt wider Erwarten doch gut. Metalcore ist eigentlich voll 2008, sprich, vollkommen ausgelutscht, aber die Jungs schaffen es, eine eigene Note einzubringen und vor allem, gute Songs mit einigen schönen Schädelspalterriffs zu schreiben. Trotz der eingeschränkten Wahrnehmung meinerseits ein auch laut Augenzeugen gelungener Auftritt.

Als nächstes folgen die altgedienten und runderneuerten Gaarden-Punks Chaos Control. Und das macht richtig Spaß. Punk halt, druckvoll, energisch, schnörkellos. Kein Melodiemassaker, aber halt auch keine blasse Kopie alter Helden. Es wird ordentlich Gas gegeben, aber halt auch mal einen Gang runtergeschaltet, alles im Format kurz und knackig. Sänger und Gitarrist Moe kann wie immer mit seinen Ansagen glänzen und die den Gig durchziehende Marotte, dass nie so ganz klar ist, wer jetzt wann anfängt, sorgt zwar für so manchen Fehlstart, ist aber genau der Grad von fehlender Perfektion, der Punks wie Chaos Control so sympathisch wirken lässt. Sehr schöner Gig!

Dann folgt aber zumindest mein persönliches Highlight des Abends, denn was Affenmesserkampf bieten, ist wirklich der Wahnsinn. Outfittechnisch kann Sänger Hannes mit seiner prolligen Sonnenbrille schon mal gut punkten, wird aber noch von Gitarrist Leif getoppt, der bei Jürgen von der Lippe-Ähnlichkeitswettbewerben gute Chancen auf vordere Platzierungen hätte. Dazu kommt die ganze Zeit ein auf der Bühne rumhänger Mensch im Affenkostüm. Musikalisch ist natürlich Hannes Stimme schön prägnant, auch wenn er nicht so schreit wie bei Tackleberry, dazu kommt lässiger Punkrock, gerne auch mal melodischer und nicht so krawallig, aber immer noch gut Arsch tretend. Und mit ‚Ein deutsches Herz hat aufgehört zu schlagen‘ und ‚Gut aber kacke‘, um mal zwei zu nennen, haben Affenmesserkampf auch den einen oder anderen Hit im Programm.
Die Ansagen dissen wahlweise das Hurricane oder die Ryker’s, der alte Gitarrist Nico kommt für einen Song zurück, muss sich aber seine Kündigung per E-Mail vorhalten lassen und Hannes sorgt bei Mikroständertausch mit seinem Gitarristen dafür, dass dessen Mikro so bei 1,30m zu finden ist. Aber ist eh schwer zu beschreiben, Affenmesserkampf muss mensch einfach gesehen haben, absolut großartige Show.

Den Abschluss bilden dann Vladimir Harkonnen. Und auch wennn Philipp und Co. an diesem Abend zweiter Sieger bleiben, so kann ich einfach nichts Schlechtes über die Show sagen. Ganz im Gegenteil, der Mix aus Hardcore und Thrash Metal wird wie immer mit ordentlich Energie und Bewegung vorgetragen, Philipp wälzt sich sogar auf dem Boden der Meierei, gibt also wie immer alles und musikalisch lässt das Quintett eh nichts anbrennen. Mitsinghymnen wie ‚Roadkill BBQ‘ und ‚Party Of The Damned‘ ergänzen sich perfekt mit neuen Krachern wie ‚Irukandji‘ oder ‚Frontex Fuckers‘, vor der Bühne wird auf jeden Fall gut gefeiert und gepogt. Darüber hinaus erfahren wir noch, dass Affenmesserkampf jetzt schon zu didaktischen Ehren im Deutschunterricht kommen, um dafür zu sorgen, dass bei Erörterungen Philipp nicht immer so viele Vieren verteilen muss. Und da sage noch eine_r, Pädagogen seien nicht zu unkonventionellen Methoden fähig. Aber genug davon, Vladimir Harkonnnen sind auf jeden Fall ein würdiger Headliner und Abschluss eines rundum gelungenen Abends.

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