Peste Noire: Kein Nazi, ist doch alles o.k…..

Update (01.06.2011): Ich verweise auf die Diskussion mit Andreas von Words As Weapons in den Kommentaren, der Beitrag wird dementsprechend demnächst überarbeitet.

Es ist mittlerweile komplett überflüssig, sich darüber zu ärgern oder zu wundern, wie weit Anspruch und Wirklichkeit im Black Metal auseinander klaffen. Gegen Rechts oder gegen Nazis sind ganz viele, zumindest wird das immer im Brustton der Überzeugung proklamiert. Geht es dann daran, Bands auf nationalsozialistisches bzw. rechtes Gedankengut (Rassismus, völkischer Nationalismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus, Homophobie etc.) kritisch zu hinter fragen, reichen Lippenbekenntnisse, um die eigenen Prinzipien, sofern sie ernsthaft je existiert haben, über Bord zu werfen.
Ein schönes Beispiel habe ich im Words As Weapons-Blog gefunden.
Dort geht es um die französische Black-Metal-Band Peste Noire, die sich schon häufiger mit Nazivorwürfen konfrontiert sah. Das erste Demo hieß „Aryan Supremacy“ und eine Split mit der französischen NSBM-Truppe Sombre Chemin ist ebenfalls in der Diskographie zu finden.1Darüber hinaus noch eine Split mit der finnischenBM-Band Horna, ebenfalls nicht gerade unumstritten.2 Auf diese Vorwürfe angesprochen, reagiert die Band in Interviews mit oberflächlicher Distanzierung vom klassischen Nationalsozialismus, nur um sich dann als Nationalisten, Rassisten und Anhänger des Ethnopluralismus zu outen. Ein Statement gibt es dazu laut Wikipedia im 2009er Album „Ballade cuntre lo Anemi Francor“.3 In einem Interview mit dem Webzine Diabolical Conquest nimmt Famine ebenfalls zu den Nazivorwürfen Stellung.4
Interessant ist daran ja vor allem die Antwort, warum der Nationalsozialismus abgelehnt wird. Nicht aufgrund seines Gedankengutes voller Antisemitismus, Rassismus, Sozialdarwinismus oder völkischen Nationalismus, sondern aufgrund des imperialistischen Anspruchs der Nazis, der auch zu Lasten Frankreichs ging. Eben weil Peste Noire sich ganz klar nationalistisch positionieren, lehnen sie das im klassischen Nationalsozialismus gesehene deutsche Hegemonialstreben ab. Dass das alles andere als eine Distanzierung von nationalsozialistischen Gedankengut ist, sollte eigentlich klar sein. Zumal die Band ja nicht nur Nationalismus (also der Überhöhung der eigenen und der Abwertung der anderen Nationen das Wort redet), sondern auch in rassistischen Kategorien denkt. Es ist die Rede vom typischen arischen Aussehen, von schwarzäugigen, dunkelhäutigen Bastarden/Mischlingen und vom Ethnmopluralismus.5 Sprich, andere Kulturen dürfen durchaus existieren, aber getrennt von der eigenen. Die eigene Kultur wird von Peste Noire nicht nur überhöht, sondern soll sich auch bitte nicht mit fremden Einflüssen vermischen. Völkischer Nationalismus und Rassismus gehen hier Hand in Hand. Dazu passt auch die Befürwortung von „racialism“.6 Das Festhalten an dem wissenschaftlich überholten Konzept der Rassenkunde offenbart da nur noch einmal die Affinität von Peste Noire gegenüber rechtem Gedankengut. Die Bezeichnung „jüdisch-amerikanischer Liberalimus“ und dessen unaufhaltsamer Sieg ist dann nur schlecht versteckter Antisemitismus, passt aber gut ins Bild der Ideologie der Band. Die Franzosen distanzieren sich nicht nur halbherzig bzw. gar nicht vom Nationalsozialismus, sondern vertreten auch nationalistische, rassistische und antisemitische Positionen, offenbaren also eine Nähe bzw. Deckungsgleichheit zu rechtem bzw. nationalsozialistischem Gedankengut.
Der Betreiber des Words-As-Weapons-Blogs sieht das aber komplett anders und behauptet in seinem Blogeintrag zur Band, es lasse sich bis auf die erwähnten Tonträger (wobei die Split mit Horna nicht thematisiert wird) nichts Rechtsradikales finden.7 Und im Impressum wird versichert, dass der Macher keine Sympathien hegt für rechtes Gedankengut, dieses nicht verharmlosen will und eindeutig rechte Kapellen kein Forum erhalten.8 Dass das alles nur simple Lippenbekenntnisse sind, die, sobald eine Band anscheinend musikalisch gut genug ist, sofort über Bord gworfen werden, ist offensichtlich. Es ist dabei auch müßig, ob der Unwillen, sich näher mit den nationalistischen, rassistischen und antisemitischen Positionen von Peste Noire auseinander zu setzen, auf Desinteresse, Inkonsequenz mangelndes Wissen oder einen anderen Grund zurück zu führen ist, toleriert werden sollte das auf keinen Fall. Aber leider spiegelt diese Haltung, dieses „Hauptsache, er ist kein Nazi, dann ist der Rest egal“, eine weit verbreitete Haltung im Black Metal wider. Nur hat das dann mit „unpolitisch“ sein, einer konsequenten Ablehnung von rechtem oder nationalsozialistischen Gedankengut oder gar einer antifaschistischen Einstellung nichts zu tun. Diese falsch verstandene Toleranz gegenüber Nazis, Nationalisten, Rassisten, Antisemiten und rechtem bzw. nationalsozialistischem Gedankengut bietet diesen Leuten und ihren Ansichten genau das Einfallstor, dass sie brauchen, um Szenen zu unterwandern und ihr Gedankengut in diesen Szenen mehrheitsfähig zu machen. Eine Haltung, die konsequent abgelehnt und bekämpft werden muss, auch von innerhalb der Metalszene. Nur, wie vorliegendes Beispiel zeigt, wird es wohl noch verdammt lange dauern, bis es mal soweit ist…

  1. http://www.metal-archives.com/band.php?id=12841 [zurück]
  2. http://fightfascism.wordpress.com/2010/03/08/extreme-rechte-bm-bands-horna-und-angantyr-auf-europa-tour/ [zurück]
  3. http://en.wikipedia.org/wiki/Peste_Noire [zurück]
  4. http://www.diabolicalconquest.com/interviews/peste_noire_english.htm [zurück]
  5. http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/was-ist-ethnopluralismus [zurück]
  6. http://en.wikipedia.org/wiki/Racialism [zurück]
  7. http://wordsasweapons.wordpress.com/2011/02/18/peste-noire-grenzganger-am-rande-des-wahnsinns/ [zurück]
  8. http://wordsasweapons.wordpress.com/about/ [zurück]
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9 Antworten auf „Peste Noire: Kein Nazi, ist doch alles o.k…..“


  1. 1 Andreas - Words As Weapons 30. April 2011 um 23:08 Uhr

    Interessanter Artikel, aber ich muss da doch mal ein paar Sachen ins rechte (…) Licht rücken.
    Was in meinem Impressum steht, ist mein absoluter Ernst. Weder hege ich Smypathien für rechtes Gesocks noch toleriere ich sowas. Du gibst zurecht an, dass die Bands von den Splitaufnahmen nicht unumstritten sind. Da gibt es nichts dran zu rütteln. Sombre Chemin sind ne Saucombo, das ist richtig. Auch Shatraug von Horna (als Band inhaltlich/textlich nicht rechts) hat sich als Hohlbrot geoutet, ebenfalls richtig. Ich habe die Peste Noire aufgrund der CDs, die ich besitze und ein wenig Recherche beurteilt und konnte nichts finden, was mich dazu bewegen könnte, die Band komplett zu ignorieren. Weder in noch auf der CD habe ich Anrüchiges ausmachen können. Mein französisch ist allerdings auch nicht das beste.Solltest du da mehr Informationen haben, die PN ins braune Licht rücken, wäre ich dir dankbar. Rechte Deppen unterstützen, ist das letzte, was ich will. Inquisition sind da ja auch so ein Grenzfall (ebenfalls in meinem Blog vertreten). Was ich von denen halten soll, weiss ich auch nicht so recht.
    Zum „Hauptsache, die Musik knallt“-Vorwurf: Ich habe schon reihenweise Musik entsorgt/Bands mit dem Arsch nicht (mehr) angeguckt (vor kurzem z.B. Infernal War), weil ich deren Ideale und propagierte Inhalte nicht mit meiner Person vereinbaren konnte. Das Thema an sich ist aber viel zu komplex, um es hier erschöpfend in einem Posting hier zu erörten. Aber ich denke, ich habe im Blog an vielen Stellen eindeutig Stellung bezogen und auf Sachen aufmerksam gemacht, die mir stinken, wie z.B. die Sache mit Pasi Koskinen und dem Mengele-Shirt.

    Erstmal sage ich Danke für das Feedback und dein Statement. Und ich finde es immer gut, wenn Leute sich, vor allem im Black-Metal-Bereich Gedanken machen und im Zweifelsfall auch Sachen entsorgen. Das so etwas nicht einfach ist, weiß ich selber gut genug.
    In Bezug auf Peste Noire muss ich dich aber in einer Hinsicht enttäuschen. Ich habe mir die Platten jetzt nicht genauer angeguckt, da auch mein Französisch dafür nicht gut genug ist. Das halte ich in diesem Fall aber auch für überflüssig. Wer sich positiv auf eine Ideologie wie den Nationalismus bezieht (der in seiner objektivistischen Variante, in der die Zugehörigkeit zu einer Nation über Dinge wie Herkunft, Sprache, Kultur etc. geregelt wird, bis heute von Rechten jedweder Denkrichtung vertreten wird), sprich die eigene Nation als überlegen ansieht und Ausschlusskriterien anlegt (Nationalismus und auch Patriotismus können ja nur funktionieren wenn es ein „wir“ und „die anderen“ gibt), darüber hinaus im angegebenen Interview Schwarze als Mischlinge bzw. Bastarde beschimpft, sich als Fan des Ethnopluralismus (ein rassistisches Konzept der Neuen Rechten) gibt, ganz allgemein rassische Kategorien für zulässig hält: „call me a racialist“, sich dazu bekennt, Nazisymbole zu benutzen und schlussendlich mit einer Aussage wie „cross-bred jewmerican liberalism“ deutlich seine antisemitische Geisteshaltung zeigt (Liberalismus als von den Juden verbreitete Ideologie, wobei die Juden natürlich Amerika kontrollieren, das sind typisch antisemitische Aussagen, die sich bei Rechten schon immer finden ließen und lassen), von demjenigen brauche ich kein Album mehr zu kennen. Es bleibt natürlich dir überlassen, wie du damit umgehst, ob ein Interview bzw. das Interview für dich eine Rolle spielt, für mich reichen rassistische, nationalistische und antisemitische Aussagen wie die von Famine mehr als aus, um mit dieser Band nichts, aber auch gar nichts zu tun haben zu wollen.

    Der Admin

  2. 2 Andreas - WaW 10. Mai 2011 um 17:06 Uhr

    Besagtes Interview bzw. deren krasse Ansichten bezüglich Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus war mir tatsächlich bisher nicht bekannt. Das ist wirklich starker Tobak und auch für mich definitiv zuviel. Wahnsinn, was es für Arschlöcher gibt. Ich war, was den Nationalismus-Aspekt angeht, wohl sehr naiv bei PN. Was ich gelesen habe, kam so rüber, als wären sie stolz auf ihre Herkunft und auf das kulturelle Erbe Frankreichs. Eine Sache, mit der ich erst einmal keine Probleme habe. Sobald aber andere Nationalitäten abqualifiziert und diffamiert werden, fangen die Probleme jedoch an. Kacke Mann, dabei hatte ich mich in die Mucke von PN echt verliebt. :-(

  3. 3 Dude 08. Juli 2011 um 15:57 Uhr

    Mich würde mal interessieren, inwiefern ein Albumtitel namens „Aryan Supremacy“ darauf hindeutet, dass die Band zu dem Zeitpunkt rechtes Gedankengut hegte.

    Guido Knopp hat „Hitlers Helfer“ rausgebracht, das heisst doch auch nicht, dass er Hitler helfen will.

    Wer unterstellt denn, dass der Albumtitel ein Statement ist und nicht einfach eine kommentierende Provokation als thematischer Hintergrund für ein Album?

    Ich kann ziemlich gut französisch, ich erkenne nichts rechtes in den Texten. :)

    1. Hast du den Rest des Textes gelesen? Anscheinend nicht. Es geht halt nicht um eine isolierte Betrachtung, sondern auch um den Kontext. Und in diesem Kontext von einer simplen Provokation auszuegehen und nicht von einem Bekenntnis zu rechtem Gedankengut, ist meines Erachtens falsch.
    2. „Aryan Supremacy“ ist ein von Faschisten und Neonazis geprägter Begriff. Seit wann ist es in Ordnung, mit Neonazikampfbegriffen zu provozieren?
    3. Wenn du Bands nur anhand ihrer Texte bewertest, dann bist du hier leider falsch.

    Admin

  4. 4 Andreas - WaW 19. Juli 2011 um 16:30 Uhr

    Über eine Sache zerbreche ich mir aber noch den Kopf. Warum duldet Famine, der sich ja wohl als „racialist“ sieht, einen Asiaten, (glaub ich, aber auf jedenfall kein „Muster-Arier“), nämlich den Bassisten Indria (http://www.metal-archives.com/artists/Indria/1787), in seinen Reihen. Diese Logik verstehe, wer will.

  5. 5 Lukas_V. 15. August 2011 um 17:14 Uhr

    Genau diese Frage habe ich mir schon seit langer Zeit gestellt. Wieso werden andere Völker von Famine verachtet, wobei der Bassist Indria von Kopf bis Fuß asiatisch ist?!

  6. 6 bloodfreak 07. September 2011 um 19:33 Uhr

    http://de.wikipedia.org/wiki/Arier
    http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Tibet-Expedition_Ernst_Sch%C3%A4fer

    Sorry, dass ich jetz nur 2 Wiki-Links poste, aber ich hab grad echtr keine Lust nen umfangreichen Artikel zu diesem Schwachsinn zu schreiben… Die beiden Wiki-Artikel geben meinen beiden Vor-Kommentatoren evtl. die ein oder andere Antwort.

    Danke an den Admin hier für diesen guten, informativen Artikel.

  7. 7 Andreas - WaW 16. September 2011 um 16:44 Uhr

    Ich bezog mich eher auf die vom NS-Regime zur Herrenrasse umgedeuteten Arier – sprich: Der nordische, kruppstahlharte, lederzähe blondschopfige Windhund.

  8. 8 Connel 07. Januar 2012 um 16:47 Uhr

    Hi,
    das ist ja mal ein superinteressanter Thread. Ich sehe mich in meiner Entscheidung bestätigt, das neue Peste Noire Album nicht zu rezensieren – mir sind französische Nationalisten genauso zuwider wie Nazis.

  9. 9 Mich 28. September 2012 um 13:22 Uhr

    Hi

    Also erstmal ganz guter Text, besonders im Zusammenhang mit der anschließenden Diskussion!

    Dein Artikel zeigt mal wieder, dass man bei einigen Bands wohl echt doppelt hinschauen muss und man sich nicht auf die Aussagen von Dritten verlassen kann. Trotzdem fehlt mir am Ende ein wenig der Bogenschlag, das PN halt EIN negativ Beispiel sind. Ohne deinen Blog jetzt genauer zu kennen, klingt das Ende irgendwie so, als sollte man die ganze BM Szene im Auge behalten, weil von ihr eine besondere rechte Gefahr ausgeht. Man muss definitiv darauf achten, was die Bands so von sich geben und die schwärzeren Schafe unter den schwarzen Schafen auch deutlich bennen. Aber man darf dabei nicht die ganze Szene über einen Kamm scheren. Wenn man das tut, gelangt genau so schnell zum Faschismus. Ich erinnere mich noch an die Hetze gegen TYR vor ein paar Jahren…

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