Nachtmystium: apolitische Toleranz für Nazis

Die amerikanische Metal-Band Nachtmystium, einst als Black-Metal-Band gestartet, jetzt aber stilistisch vielfältig, verbindet eine strikte apolitische Haltung mit Toleranz für Nazis und rechtsaffinen Bands und dem Heranziehen der Extremismustheorie gegenüber der Antifa. Unterstützung erfährt die Band dabei von weiten Teilen der Szene, darunter auch dem sich auch gerne kritisch gebenden Rock Hard Magazin.

Es ist mittlerweile nichts Neues, dass große Festivals von zig Firmen gesponsort werden. Neu war allerdings, dass Sponsoren in die Festivalgestaltung eingreifen. So wurde im Februar 2009 bekannt, dass Nachtmystium auf Druck von Toyta vom Billing des Scion Rock geflogen sind. Interessant war daran nicht nur, dass ein Sponsor derart Einfluss auf ein Festival-Line-Up nimmt, sondern auch die Stellungnahme von Blake Judd, Frontmann der Band. Die Vorwürfe wurden natürlich (…) lauthals zurück gewiesen, zigmal betont, dass die Band ja unpolitisch wäre, sie keine Nazis und Rassisten seien und sogar mit rechtlichen Schritten wurde gedroht. Konkrete Aussagen zu den Vorwürfen? Null. Also, was waren bzw. sind denn nun die Vorwürfe?
Nun, Blake Judd findet z.B. NSBM klasse, aber natürlich (…) nur musikalisch, versteht sich. Darüber hinaus erschien das „Reign Of The Malicious“-Album unter anderem auf Unholy Records, einen Sublabel der neonazistischen Plattenfirma Resistance Records. Das Statement dazu zeigt sehr schön die Wertigkeit: es zählt die Musik, nichts sonst. Es ist kein Problem, wenn die Musiker Nazis sind, das ist eine persönliche Sache und Blake Judd würde die Freiheit derjenigen auch auf jeden Fall verteidigen. Womit das kontrastiert, dazu später. Erst einmal darf mensch sich die Konsequenzen des Gesagten ausmalen. Antisemitismus, Rassismus, völkischer Nationalismus, Sozialdarwinismus, alles menschenverachtend dargestellt und nicht selten in Tötungs- und Vernichtungsphantasien gipfelnd, all das ist eine persönliche Sache. Ja, es muss sogar das unbedingte Recht geben, so etwas auszusprechen. Warum auch nicht, in der Welt eines Herrn Judd scheint es zwischen neonazistischer Propaganda und neonazistischen Taten keinen Zusammenhang zu geben.
Aber es geht ja noch weiter: auf seinem Label Battle Kommand sind mit Leviathan und Krieg zumindest zwei Bands, die ebenfalls kein Problem damit haben, mit NSBM-Bands Splits zu veröffentlichen (Leviathan, siehe hier, Splits mit Iuvenes, Ad Hominem, Funeral Winds) oder mit Nebenprojekten auf Nazisamplern aufzutauchen (Krieg, Split mit Satanic Warmaster, siehe hier mit dem Sideproject Weltmacht auf „The Night And The Fog“-Sampler vertreten, siehe hier).
Da runden Coverversionen von Burzum, Judas Iscariot und Death In June(siehe hier, „Downfall“-EP, „Nachtmystium“-EP, „Reign Of The Malicious“-Album), das Demo „Unholy Terrorist Cult“erschien 2001 auf demNazilabel Vinland Winds. 2006 wurde dann eine Europatour mit der NSBM-Band Grand Belial’s Key „plötzlich“ abgesagt, nachdem es massive Proteste gab, alles zum nachlesen hier. Tja, das hätte die Reputation (lies: dicke Deals, Verkäufe, tolle Festivalshows, sprich mehr Kohle) wohl tatsächlich beschädigt. Als letztes noch eine angebliche E-Mail betreffend Nachtmystium und ihre Wandlung, kann ja jeder nach dem Vorherigen selber beurteilen, was daran dran sein könnte.

Geschadet hat es der Band jedenfalls nicht: Auftritte auf dem Roadburn 2010, dem Party.San 2011 und tolle Reviews. unter anderem im RockHard. Dort erschien dann im Juni 2010 auch ein Interview, bezeichnender Titel „Antifa, du kannst mich ma‘“. Nachdem Blake Judd erstmal Burzum huldigen durfte, gabs dann zum Schluss Saures für die deutsche Antifa: Sie sei genauso schlimm wie die Faschisten, gehe mit körperlicher Gewalt gegen Gegner vor, würde Clubbesitzer massiv schädigen und was früher für die Nazis die Juden waren, sei für die Antifa heute Varg Vikernes. Alles vom „kritischen“ Rockhard unkommentiert abgedruckt, im vorletzten Heft durfte Blake Judd das sogar nochmal wiederholen, damit auch der letzte Metaller rafft, wo für Nachtmystium, das RockHard und weite Teile der Black-Metal-Szene der Feind steht: links, linksaußen.
Aber es stimmt ja auch, ständig schlägt die deutsche Antifa (was das genau sein soll, wird ja nie hinterfragt, warum wohl? Würde ja die ganze billige Anti-Antifa-Hetze kaputt machen) unschuldige (Black-)Metal-Fans zusammen, lässt durch Boykottaufrufe Clubbesitzer reihenweise Pleite gehen, schmiedet ständig Mordpläne gegen Varg Vikernes und arbeitet schon an einer Endlösung der Burzumfans-Frage. Tut mir leid für den Zynismus, aber eine ernsthafte Reaktion auf diese hanebüchenen Vergleiche und Aussagen fällt mir schwer.
Aber ich will es mal probieren. Wer sich als Antirassist bezeichnet,“White Powder Not White Power“-Shirts druckt und sich weitschweifig von Nazibands distanziert, andererseits aber kein Problem mit dem Hören von Nazibands hat, es sogar unterstützen würde, dass deren Propganda frei verbreitet werden darf, mit rechtsaffinen und NSBM-Bands fleißig zusammenarbeitete und schlussendlich mit der Extremismustheorie (kleine Anmerkung am Rande: Das gerade die Black-Metal-Szene, die sich ja immer so misanthropisch gibt und scharf abgrenzt vom Rest der Szene und dem „normalen“ Leben gerade all das wiederkaut, was Kristina Schröder und die bürgerlich-konservative Mitte so von sich geben, wäre verdammt lustig, wenn da nicht noch mehr dran hängen würde) ankommt, die vor allem im konservativen Kreisen und der Neuen Rechten angesagt ist und dadurch letztendlich den Holocaust und die Shoah relativiert, der ist nichts anderes als ein Lügner, Heuchler und konservativer Volldepp. Wer Nazis und deren Weltanschauung toleriert bzw. relativiert, verdient keine, absolut keine Unterstützung. Das weite Teile der Szene das anders sehen und bei allem, was nicht klassisch nationalsozialistisch ist, sofort jeden Scheiß glauben, Diskussionen scheuen wie der Teufel das Weihwasser, ihre Kritikfähigkeit verlieren und so NSBM, rechten Tendenzen und deren Hörerschaft erst den Weg bereiten, ist wohl traurig, aber wohl nicht aufzuhalten. Da wirken Slogans wie „Keep nazi scum out of metal“ (Party.San) oder die Unterstützung vom Kampagnen wie z.B. „Metalheads Against Racism“ (RockHard) aufgesetzt und plakativ.
Bleibt zum Schluss nur die Frage, wann die Metalszene endlich aufwacht und anfängt, den unbequemen Weg zu gehen. Aber wahrscheinlich wird weiterhin ein Zick-Zack-Kurs gefahren, während mensch sich gleichzeitig wundert, warum Nazis und deren Gedankengut so präsent sind in der Szene. Aber jeder bekommt das, was er verdient. Und wenn die deutsche Metalszene auf rechtsaffines und Nazi-Gedankengut und die CDUisierung ihrer Stzne steht, bitte. Ich kann auf diesen ganzen Dreck verzichten und hoffe, dass es noch ein paar Metaller gibt, die so ähnlich denken….

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3 Antworten auf „Nachtmystium: apolitische Toleranz für Nazis“


  1. 1 Wrathpriest 30. April 2011 um 16:47 Uhr

    Kommentar aufgrund von Grauzonen- bzw. Anti-Antifa-Verschwörungsmüll gelöscht. Noch ein letztes Mal also für alle, die es immer noch nicht gerafft haben: Wer hier stumpfes Anti-Antifa-Geseier, Beleidigungen, Verschwörungstheorien oder rechtes Gedankengut ablässt, dessen Kommentar wird einfach gelöscht. Also spart euch die Zeit, schreibt euren Mist bei Altermedia, im Sonnenritter-, Thiazi- oder Christhuntforum oder halt irgendwo anders, hier wird dieser Dreck nicht geduldet.

    Administrator

  2. 2 ascaso 01. Juni 2011 um 19:43 Uhr

    Standing Ovations für diese wahren Worte gibt’s von meiner Seite. Und um auf deine Hoffnung am Ende einzugehen: Ja, es gibt noch ein paar Metalheads (wie mich z.B.) die das Ganze ähnlich beurteilen. Aber es sind nicht gerade viele gemessen an der durchschnittlichen rechtsoffenen bzw unpolitisch-dummen Masse an bierseligen Headbangern. Hoffnung besteht noch am ehesten dort, wo sich Metal und Punk durchdringen. Oder im klar linken antifaschistischen Spektrum neuer Fans, die durch Sachen wie Blackened Crust oder Post-BM zu der Musik härterer Gangart gebracht werden.

  3. 3 and.i.why 28. August 2011 um 11:04 Uhr

    wollte mal als erstes festhalten das ich mich weder einer rechten noch einer linken noch einer bürgerlichen mitte zugehörig fühle. ich trete vor allem gegen antisemitismus und rassismus ein. ich persönlich bin der meinung was judd und nachtmystium angeht, dass es tatsächlich einfach nur recht dumpfe menschen sind die ernst meinen was sie sagen. was aber zwei punkte seiner aussagen und deiner konter angeht möchte ich mcih doch gerne zu äußern. erstens punkt antifa: wenn wie in meiner umgebung geschehen dank antifa eine band wie nachtmystium nicht auftreten konnte einige tage später aber unbehelligt varg spielen können frage ich mich schon wie die ticken. (als selbst langjährig in dieser szene aktiver weis ich es leider nur zu gut) grade beim thema antisemitismus beweisen große teile der antifa immer aufs neue wo sie wirklich stehen. der andre punkt ist das thema meinungsfreiheit. so beschissen es nun einmal ist, wer für meinungsfreiheit eintritt muß sich im klaren sein, dass diese auch die meinungsfreiheit von faschisten, religiösen fanatikern… beinhaltet. aber durch das mundtot machen solcher spinner kann man sie sowieso nicht aufhalten, im gegenteil das bewirkt doch nur noch klandestinere zirkel in welchen die eliminatorische gefahr letztlich nur vergrößert wird.
    wie auch immer, hoffe kannst was damit anfangen

    Um ehrlich zu sein: dein Kommentar war kurz davor, kommentarlos gelöscht zu werden. Ich nutze die Gelegenheit aber, um nochmals ein paar Dinge klar zu stellen. Ob Nachtmystium jetzt total durchdacht agieren oder nur zu blöd sind, ist mir im Endeffekt egal, ihr Geschichtsrevisionismus wird dadurch nicht besser oder gar tolerierbar. Was Varg angeht: die Band hat es bis heute als einzige geschafft, zu Vorwürfen Stellung zu nehmen, ohne dabei sich selber in die Opferrolle zu drängen und den vermeintlichen Gegner anzugreifen. Etwas, an dem z.B. Nachtmystium, Frei.Wild, Deströyer 666 und Stomper 98 grandios gescheitert sind. Was dein Geraune zur Antifa und Antisemitismus angeht, sorry, kann ich nicht ernst nehmen. Werd konkret oder lass es sein. Es sei aber schon mal angemerkt, dass dieses Blog nicht für die nächste „Antideutsche“ vs“Antiimps“-Debatte gedacht ist. Übel wird es dann zum Schluss. Wer ernsthaft Meinungsfreiheit für Rassisten, Nationalisten, Antisemiten, Homophobe, Nazis oder sonstige Arschlöcher fordert, die eben diese Meinungsfreiheit permanent mit Füßen treten und ihren Gegnern sofort aberkennen würden, wenn sie könnten, der hat nichts begriffen. Insofern nochmal ein letzter, deutlicher Hinweis: Wer in Zukunft mit sowas ankommt, dessen Kommentare werden gelöscht. So ein Scheißdreck hat hier nichts zu suchen.

    Der Admin

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