Cartouche (27.10., Alte Meierei, Kiel)

Im Rahmen der VoKü Schwarz/Rot gibt es dieses Mal weder einen Vortrag noch einen Film, sondern „nur“ ein Konzert. Macht aber nichts, Abwechslung ist auch was feines und zumindest das Essen ist wie gewohnt lecker. Die Meierei füllt sich auch, so dass kurz vor zehn so ca. 40-50 Leute da sein sollten.
Als Cartouche dann loslegen, durchfährt mich, ehrlich gesagt, der Schreck. Der erste Song ist nämlich allenfalls solide, viel zu lang und lässt mich Schlimmes befürchten. Danach kriegt das sympathische Quintett aber die Kurve, der Nachfolger klingt gleich drei Klassen besser und ein sehr schönes Konzert nimmt seinen Lauf. Angekündigt als „Combat Rock‘n'Punk“ bewegen sich die Franzosen und Französinnen im melodischen Punkrock, mal rasanter, mal relaxter, aber immer mit dem notwendigen Schuss Melodie und Wechselgesang. Aktivposten ist zweifelsfrei Sängerin Géraldine, die nicht nur mit guten politischen Ansagen jenseits von Pathos und Parolen glänzt, sondern auch ordentlich aktiv ist und mich ein ums andere Mal (auch wenn es komisch klingt) an Candace Kucsulain von Walls Of Jericho erinnert.
Aber auch Gitarrist Alex gibt alles (das Hemd ist nachher so durchgeschwitzt, dass er die Zugaben mit freiem Oberkörper spielt), wobei der Rest der Band in gleicher Weise nach und nach auftaut. Positiv zu bemerken ist der sehr gute Sound, vor allem der Bass ist klar und deutlich zu hören und setzt interessante Akzente. Kein Wunder also, dass das Publikum mitgeht, eifrig getanzt und Applaus gespendet wird. Cartouche überzeugen durch ihr gutes Songwriting, jedes Lied besitzt eine eigene Note, Highlight ist ohne Zweifel das jiddische Partisanenlied aus dem Ghetto von Wilnius. Sehr ergreifend!
Insofern ist es kein Wunder, dass nach Zugaben gerufen wird und es nochmal drei Songs zu Hören gibt, wobei das ausgedehnt-rasante ‚Bread And Roses‘, mit Mitsingteil am Ende, den Schlusspunkt unter einen gelungenen Auftritt setzt, bei dem keiner bzw. keine den Konzertbesuch bereut haben dürfte. Es kann deshalb jedem bzw. jeder nur empfohlen werden, bei der VoKü Schwarz/Rot auch in Zukunft vorbeizuschauen, das sind halt immer sehr nette Abende.

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